Städtereise nach Athen: Entdeckung für Kenner

Ganz schnell, spontan, ohne nachzudenken: Was fällt euch zum Stichwort Städtetrip ein? Rom Venedig Barcelona? Prag Berlin London? Oder hat da jemand Athen gesagt? Nee – hat wahrscheinlich wieder keiner. Das Schmuddel-Schaf unter den europäischen Hauptstädten, für die meisten nur Nix-wie-weg-Durchgangsstation zur Kykladen-Fähre oder zur Fahrt Richtung Peloponnes. An dieser Stadt klebt ein Ruf wie nasser Sand zwischen den Zehen: dreckig, laut, chaotisch, unansehnlich. An eine Städtereise nach Athen denkt eigentlich keiner.

Das ist so falsch wie schade – und auch wieder nicht: Wer hier ein paar Tage verbringt, muss sich den Platz nämlich nicht mit hunderten oder tausenden anderer Touristen teilen, außer vielleicht morgens um zehn auf der Akropolis. Und lernt dabei eine außergewöhnlich entspannte, ziemlich hippe und absolut sehenswerte Metropole kennen, die fast alle Vorurteile Lügen straft – Smog ist seit Jahren kein Thema mehr, die Atmosphäre tiefenentspannt, im Gebüsch zirpen die Zikaden, mitten in der Stadt duftet es nach Pinien, und auch wenn die Wirtschaftskrise durchaus spürbar ist, begrüßen Athener deutsche Gäste genau so herzlich wie früher. Gerade war Verena zum Auftakt ihres Familienurlaubes mit Mann und Kindern dort zu Gast und hat aktuelle Tipps mitgebracht: sieben Ideen für eine Städtereise nach Athen.

  • Schlange? Welche Schlange? Falls ihr den Halbsatz oben im Text nicht ganz ernst genommen habt: Doch, vor der Akropolis gibt es tatsächlich eine Warteschlange, vor allem zur Hauptsaison. Ist auch kein Wunder, immerhin gehören die antiken Ruinen auf einem Felsplateau mitten im Stadtzentrum zu den bedeutendsten der Welt. Nun gibt es zwei Möglichkeiten: entweder große Mengen geeiste Zitronenlimonade am Getränkeshop kaufen und schwitzend unter Pinien ausharren, bis man endlich dran ist – oder sich ein paar Meter weiter unten am Eingang des antiken Marktplatzes („Agora“) völlig ohne Warteschlange ein Kombiticket für Agora, Akropolis und vier weitere antike Sehenswürdigkeiten holen.
  • Das kostet auch nicht viel mehr (und Kinder unter 18 kommen sogar überall gratis rein!), der weitläufige Platz mit seiner wieder aufgerichteten Säulenhalle und seinem prächtigen Hephaistos-Tempel ist nicht minder sehenswert, und am Eingang der Haupt-Attraktion huscht man mit diesem Ticket einfach lässig an der Kartenhäuschen-Schlange vorbei. Abkühlung gefällig? Das tolle, neu erbaute Akropolis-Museum an der Rückseite des Burgberges bietet durch riesige Panoramafenster tolle Blicke auf die antiken Stätten, eine imposante Sammlung, ein Museumscafé mit hervorragender Küche und eine spitzenmäßige Klimaanlage.

    Städtetrip nach Athen

    Die Reste der Hadriansbibliothek unterhalb der Akropolis. Gibt’s auch fürs Kombiticket. (c) Verena Carl

  • Athen? Jubel, schwärm, freu! Die Stadt ist ein Dorado für Comicfans: Sowohl auf dem Flohmarkt (beginnt am zentralen Monastiraki-Platz) als auch in diversen Comicläden (etwa: Tilt Comics, Odon Asklipeuo 37) bekommen die Freunde der gezeichneten Story feuchte Augen. Woher das kommt? Ist doch klar: Die alten Griechen hatten schon immer ein Faible für Heldengeschichten!

    Von weitem bezaubernd, von nahem heiß: Traumblick auf geschichtsträchtige Stätten

  • Der schönste Ort für eine Fern-Beziehung Ihr wollt die antike Kulisse lieber von weitem genießen, idealerweise auf einer Beach-Liege am Pool, mit einem kühlen Frappé (dem klassischen griechische Nescafé-Getränk) in der Hand? Oder bei einem Abendessen mit Millionen-Sterne-Blick? Dann ist das Novotel Athen für euch the place to be: Die Dachgarten-Bar plus Restaurant „Claire de Lune“ ist nicht nur bei Hotelgästen beliebt, sondern auch für Nicht-Gäste offen. Tischreservierung empfohlen – nirgends in Athen speist es sich schöner als mit Doppel-Blick auf den Aussichtshügel Lykabettus und den beleuchteten Akropolis-Felsen. Das Hotel selbst? Kinderfreundlich, gutes Frühstück, zentral gelegen. Nur im Dunkeln sollte man besser ein Taxi nehmen, denn der nahegelegene Omonia-Platz ist bei Nacht nicht der sicherste Ort.

    Städtetrip nach Athen

    Frau mit Background: Verena auf der Dachterrasse des Novotel Athen (c) Verena Carl

  • Ein Schiff wird kommen….oder zwei oder drei? Der mindestens zweitschönste Ort, um in Athen einen lauschigen Abend zu verbringen, ist der „kleine Hafen“ (Mikrolímano), eine malerische Bucht abseits der großen Fähranleger-Terminals in Piräus. Die S-Bahn-Fahrt vom Athener Stadtzentrum (plus Shuttlebus oder Taxi) dauert gerade mal 20 bis 30 Minuten, und entlang der Mole fühlt man sich fast wie auf einer abgelegenen Kyladen-Insel: Fischerboote, Meeresduft, und wie an einer Perlenkette reiht sich hier ein Waterfront-Restaurant ans andere – alles dabei von der urigen Fischtaverne bis zur Sterneküche. Wie gut, dass man an einem Abend gleich mehrmals einkehren kann: Im ersten Lokal den Sundowner, im zweiten Garnelen in Schafskäse-Tomatentunke und Baby-Calamares, im dritten den ersten Absacker, im Vierten….

    Städtetrip nach Athen

    Don’t let the sun go down on me … Fischtaverne in Mikrolímano (c) Verena Carl

  • Schauen, Shoppen, Schlürfen: Es gibt diese Straßen und Plätze, da wird Athen zum Laufsteg. Zum Beispiel in der langgezogenen Adrianou-Straße, die vom Monastiraki-Platz ausgeht: lauter lauschige Cafés zum Sehen und Gesehenwerden, ganz in der Nähe der Touristentrampelpfade und doch weniger ausgetreten. Oder im Stadtviertel Kolonaki, dem Athener Pendant zu Hamburg-Eppendorf oder München-Maximilianstraße: zwischen Kolonaki-Platz und dem Aussichtshügel Lykabettus, in den Fußgängerzonen entlang der Tsakalof- und Milioni-Straße, treffen sich Hipster und Denker, Millionäre und Millionärs-Sucher. Ihr mögt’s alternativer? Dann ist das Studentenviertel Exarchia der Platz für euch.

    Städtereise nach Athen – komplett mit einer Partynacht

  • Für Party-Götter Tipp von meiner Nachbarin, die mit einem Griechen verheiratet ist und auch gerne mal ein paar Tage in Athen verbringt: „Lust auf eine echte griechische Party? Dann bloß nicht müde werden: Die meisten Konzerte und Shows starten nicht vor Mitternacht. Die Eintritte sind günstig, meist so zwischen 10 und 15 Euro inklusive eines Getränkes, vorausgesetzt, man bleibt an der Bar auf den Stehplätzen – einen Tisch reservieren geht auch, aber dann kann die Flasche Wein 80 Euro oder mehr kosten. Echte Athener Party People tanzen oft bis morgens um sieben durch, mir reicht es meistens gegen drei.“ Überblick über Athens Clubs und Konzerthallen gibts hier!

    Athens by night – auch wieder von der Dachterrasse des Novotel aus (c) Verena Carl

  • Nix wie raus! Genug von Großstadt und heruntergerocktem Charme? Das schönste Ziel für einen Tagesausflug liegt etwa 40 Kilometer östlich von Athen und ist vielleicht nicht der spektakulärste, aber möglicherweise der malerischste Platz, um sich in vergangene Zeiten zu träumen: Kap Sounion mit einem außergewöhnlich gut erhaltenen Poseidon-Tempel, der in der Antike schon von ferne die ein- und auslaufenden Seefahrer grüßte. Im 19. Jahrhundert verewigte sich hier der englische Romantik-Dichter Lord Byron mit einem Namens-Graffito an einer Säule, heute kommt man dem alten Gemäuer nicht mehr auf Tuchfühlung nah, aber die Kombi aus geschichtsträchtigen Steinen und bezauberndem Rundblick macht noch heute Gänsehaut – selbst bei über 35 Grad.

    Städtetrip nach Athen

    Da lacht der Seefahrer: Poseidon-Tempel am Kap Sounion bei Athen (c) Verena Carl

Na, auch mit dem Griechenland-Virus infiziert? Den zweiten Teil ihrer Reise hat Verena mit Familie auf dem Peleponnes verbracht und schreibt nächste Woche, warum Familienurlaub nie so schön ist wie als 40-something mit in-between-Kindern – nicht mehr so klein, dass sie Mittagsschlaf brauchen und noch nicht so groß, dass sie bis mittags schlafen …

 

3 thoughts on “Städtereise nach Athen: Entdeckung für Kenner

  1. Marie Velden

    Athen: Steht schon lange auf meinem Zettel und ich will da unbedingt hin. Nächstes Jahr vielleicht und dann ab nach Hydra. Heuer mal wieder Samos. Ich bin durch und duch Griechenland-Fan. Aber wer mich kennt, weiß das eh. 🙂

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  2. Die Nachbarin

    Ach, da wird der Nachbarin wieder schwer ums Herz, wie gerne würde ich nun im kleinen Hafen einen Frappé trinken, in Kolonaki flanieren und und… ach, was weiß denn ich, hauptsache Athen!

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    • Verena

      Nächstes Mal, liebste Nachbarin, fliegen wir zusammen und dann bin ich auch bei einer griechischen Party dabei. Endaxi?

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