Susann Atwell: Endlich weiß ich, was ich will

Roter Teppich, Oscar-Verleihungen, eigene Sendungen, aber auch eine Privatinsolvenz und lange Zeiten als alleinerziehende Mutter zweier Töchter: Susann Atwell nimmt das Leben, wie es kommt. Sie wohnt jeden Monat für zehn Tage in Frankfurt, den Rest in Hamburg. Jetzt mit fast fünfzig schaut sie nach vorn und manchmal auch zurück.

Wie fühlst du dich als 40-something? 

Entspannter in vielerlei Hinsicht. Aber immer noch neugierig. Tatsächlich tauchen auch schon die ersten Zipperlein auf. Das hätte ich nicht geglaubt, dass es jetzt schon soweit ist.  Ich finde es sehr schön, dass man in diesem Alter endlich weiß, wer man eigentlich ist und was man will und was wichtig ist. Und ich möchte keine Zeit mehr verschwenden mit Menschen, die nicht die gleichen Werte haben wie ich.

Susann Atwell: Meine Töchter haben absolute Prioriät

Du hast deine beiden Töchter Ema (23) und Ava (11) größtenteils alleine aufgezogen. Wie war das für dich?

Tatsächlich habe ich mich von den Vätern getrennt, als meine Mädchen jeweils drei Jahre alt waren. Aber ich habe immer ein gutes Verhältnis zu ihnen gehabt. Das ist auch gerade jetzt bei der Kleinen wichtig, weil ich ja auch in Frankfurt arbeite. Deshalb hat Ava auch zwei Zuhause. Sie lebt das klassische Pendelmodell. Und das funktioniert bei uns hervorragend. Sie kommt damit sehr gut klar, und möchte es auch gar nicht anders haben. Das respektiere ich natürlich. Mir war es immer wichtig, dass es meinen Mädchen gut geht. Sie haben immer absolute Priorität.

Susann Atwell

Girl Power: Susann Atwell mit ihren Töchtern Ava (11) und Ema (23)

Was ist es denn, das dir jetzt wichtiger ist als früher? 

Ich will Tiefgründigkeit. Oberflächlichkeit finde ich blöd. Ich will Wahrheit und Wahrhaftigkeit. Ich möchte mich mit Menschen umgeben, die authentisch sind. Menschen, die zu ihren Fehlern stehen können, die nicht lügen und die an meiner Seite sind. Ich bin eine sehr treue Freundin. Jetzt gerade habe ich eine sehr turbulente Trennung hinter mir. Und ich erfahre, dass Freundschaft und Liebe bei mir sehr viel mit Ehrlichkeit zu tun haben. Das kann ich übrigens auch auf meine berufliche Laufbahn ausweiten.

Wie sieht das konkret bei dir aus? 

Im letzten Jahr hat sich eine Menge bei mir getan. Manche Menschen sind jetzt nicht mehr an meiner Seite. Dafür sind andere neu hinzugekommen. Das sind Menschen, die mehr zu mir passen, so wie ich jetzt bin. Auch im Beruf ist mir wichtig, dass ich Aufträge annehme, die zu mir passen. Beruflich achte ich darauf, dass es sich gut anfühlt, und ich höre sehr stark auf meinen Bauch. Das war vor fünf oder zehn Jahren noch nicht so der Fall.

Susann Atwell Moderatorin

Susann Atwell genießt den Augenblick

Was hat sich verändert? 

Ich glaube, man kann ganz generell sagen, dass die Menschen in der ersten Hälfte ihres Lebens mehr mit Machen beschäftigt sind. Dann achtet man darauf: Wie schauen mich die anderen an, wie denken sie über mich? In der zweiten Hälfte ist man mehr damit beschäftigt, in sich hineinzugucken und sich mit sich selbst zu beschäftigen. Da fragt man dann eher: Was ist jetzt eigentlich alles in meinem Leben passiert? Soviel Neues kommt vielleicht auch nicht mehr. Und vor allem: Was will ich jetzt eigentlich, und was tut mir gut?

Demographischer Wandel? Ist gut für uns, sagt Susann Atwell

Wie stellst du dir deine berufliche Zukunft vor? 

Naja, ich werde dieses Jahr fünfzig. Und ich bin realistisch. Momentan arbeite ich für den Hessischen Rundfunk. Aber ich gehe nicht davon aus, dass ich mit 70 noch vor der Kamera stehen werde. Ich glaube dennoch, dass wir von dem demographischen Wandel profitieren. Im Moment boomen doch älteren Models wie verrückt. Und ich glaube, auch der Bedarf an erwachsenen Moderatorinnen ist da.

Hast du schon neue Aufgaben oder Jobs für die Zukunft?

Ganz klar: Ich muss arbeiten, und ich will es auch. Ich will auch weiterhin mit Menschen in Kontakt kommen. Und das bringt unser Beruf auch mit sich.

Vor einigen Monaten hat sich mir eine einmalige Gelegenheit geboten und jetzt stecke ich gerade mitten in der Gründungsphase einer neuen Firma: Ich habe gemeinsam mit meinem Freund Carsten Geyer eine kleine PR-Agentur gegründet. Er arbeitet schon lange in dem Bereich. Für mich ist es ein neues Feld, aber durch meine langjährige Arbeit als Moderatorin und Journalistin total naheliegend. Wir möchten uns mit „AtwellGeyer PR“ auf die Vermarktung von Lifestyle-Brands spezialisieren und gerade in dem Bereich habe ich ja viele Kontakte. Eine tolle neue Aufgabe – ich freue mich sehr auf die nächste Zeit. Sie wird auf jeden Fall sehr aufregend!

Privatinsolvenz: Inwiefern hat diese Zeit Freundschaften und Jobs beeinflusst? 

Privat hat sich eigentlich damals nicht viel verändert. Ganz im Gegenteil: Meine Freunde haben mich immer sehr stark unterstützt. Beruflich hatte ich auch einen starken Partner an meiner Seite. Der Hessische Rundfunk ist heute noch mein Arbeitgeber. Dort war meine Privatinsolvenz niemals ein Thema. Vielleicht auch, weil ich damit sehr offen umgegangen bin. Ich habe von Anfang an erklärt, wie ich in diese Situation reingeraten bin (Anm. Fehlinvestition in Ostimmobilien). Bei den freien Moderationen, die ich überwiegend im Lifestyle-Segment mache, hat es schon einen Rückzug gegeben. Es ist eben nicht attraktiv in dieser Glamour Welt, wenn jemand keine Kohle hat und um die Existenz kämpft.

Hattest du damals das Gefühl, nicht mehr mithalten zu können und dir abends keine teuren Cocktails leisten zu können?

Ich muss auch heute sehr genau auf mein Geld achten. Ich habe kein fettes Einkommen. Ich muss also jetzt auch noch sehr sparsam leben. Dadurch, dass ich immer zwischen Hamburg und Frankfurt pendele, habe ich hohe Kosten. Aber ich habe natürlich gelernt, mit Geld umzugehen, als ich mich in der Privatinsolvenz befand. Aber ich bin ohnehin nicht oft mit Menschen zusammen, die ständig nur teure Cocktails trinken.

Susann Atwell: Hollywood-Stars sind auch nur normale Menschen

Wenn du zurückdenkst an die großen Oscar-Verleihungen und Red-Carpet-Events. Wie ist das? 

Ach, ich bin ja damals ziemlich da rein geplumpst. Wie alle anderen übrigens auch. Denn das private Fernsehen kam ja erst auf. Ich hatte mit SAM angefangen bei ProSieben, dann kam irgendwann MAX TV dazu und dann Cinema TV. Es war eine wilde und tolle Zeit damals. Wenn ich Hollywood-Stars getroffen habe, dachte ich auch jedes Mal nur: Ach, komm, das sind auch nur  normale Menschen. Das packst du schon irgendwie.

Hast du noch einen Lebenstraum, den du unbedingt verwirklichen möchtest?

Ganz ehrlich: Ich habe nie irgendetwas geplant. Ich habe mir auch nie große Ziele vorgenommen oder mir Fünf-Jahres-Pläne gemacht. Ich habe das Leben auf mich zukommen lassen. Wenn ich mir etwas wünsche, dann ist es, dass ich weiterhin ein selbstbestimmtes Leben führen kann. Ich möchte nicht, dass äußere Zwänge wie damals meine Schulden, einen großen Einfluss auf mein Leben haben.

Für mich sind die vielen kleinen Dinge im Leben wichtig: Das ist der Kaffeeduft am Morgen, das Lächeln der Nachbarin, das Schnäppchen oder die kleine Blume am Straßenrand. Ich finde, solange man sich für die kleinen Dinge begeistern kann, geht einem auch die Lebensfreude nicht verloren.

Vielen Dank, liebe Susann, für deine offenen Worte!

 

 

 

 

 

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