Sabbatjahr Ü40: Die Zeit nach der Auszeit

Sabbatjahr Ü40 – Tina Wolf entdeckte die Welt und sich selbst neu. Wie sie nach ihrem  Sabbatjahr Ü40 wieder in Deutschland startete und was dann passierte. Hier ist der zweite Teil ihrer Geschichte. 

Jede schöne Zeit ist irgendwann einmal vorbei, so auch mein Sabbatjahr Ü40. Viele fragten mich, ob ich meinen Job nicht vermissen würde und nicht der Punkt gekommen sei, dass ich es gar nicht mehr erwarten könne, zurück ins Büro zu gehen. Äh, nee. Irgendwie nicht. Ich muss zugeben, so sehr ich meinen Job auch wirklich liebe, so sehr hätte ich auch einfach noch ein Jahr ohne ihn weiter machen können. Aber vorbei ist vorbei, und so nahte der erste Wieder-zurück-im-Büro-Tag.

Sabbatjahr ue40 Snacks mit Fahnen der Stadt Hamburg und dem Land Argentinien

Hamburg und Argentinien: alte Heimat und neues Glück

Ich wurde herzlichst willkommen geheißen und habe mich wirklich sehr gefreut, alle wiederzusehen. Und auch auf die Aufgaben, die vor mir lagen. Ich bekam meinen alten Job quasi zurück-übergeben und ich muss zugeben, dass ich wahnsinnig dankbar für die Möglichkeit bin, dass sie meine Stelle für mich ein Jahr freigehalten haben.

Raus aus dem Leben und wieder rein ins Leben

Und dann kam das, was ich auch bereits vorab vermutet hatte. Nach 10 Tagen bist Du wieder da. So richtig. Klar sind die Erlebnisse und Erinnerungen an all die Reisen und die besondere Zeit noch nah, aber der Job ist wieder wahnsinnig präsent nach einer nur sehr kurzen Zeit. Zack, war ich gedanklich wieder in meinen Projekten drin, hatte schon die nächsten Ideen, und die Prozesse gingen ihren Gang. Klar gab es ein paar neue Themen, neue Produkte auf dem Markt und neue Kollegen, aber das erfasst man ja schnell und die Mehrheit ist wie vorher. Wahnsinn, dass das so schnell geht, hat mich am Ende dann doch überrascht.

Sabbatjahr Ü40: Buenos Aires war definitiv das Highlight

Aber eines hatte sich doch verändert. Ich erwähnte ja im letzten Bericht, dass auch Buenos Aires unter meinen Highlights der Reisen war. Klar, Buenos Aires ist eine wunderschöne inspirierende Stadt und da ich eine Zeit lang in Spanien studiert hatte, liebe ich jeden Fleck der Erde, in dem Spanisch gesprochen und gelebt wird. Aber das war nicht der Hauptgrund für die Benennung der Stadt als mein eigentliches Sabbatical-Hightlight. Ich hatte jemanden kennengelernt. Martín, meinen heutigen Freund, der seit seinem 8. Lebensjahr Buenos Aires lebt und eigentlich aus Montevideo in Uruguay kommt.

Sabbatjahr ue40 Tina Wolf mit ihrer neuen Liebe Martín

Nicht gesucht, aber gefunden: Tina und Martín

Er hat einen 14-jährigen Sohn. Seit unserem Kennenlernen vor meiner Weiterreise nach Kuba verging kein Tag ohne Kontakt und wir waren uns schnell sicher, dass wir Zusammensein wollen. Nun trennten uns aber 12.000 Kilometer und die Flüge kosteten jedes Mal ca. 1.000 Euro, was auf Dauer ganz schön ins Geld ging.

Das echte Sabbatical-Highlight: Meine neue Liebe

Ich hatte das Glück, dass wir uns bereits nach der Hälfte meines Auszeitjahres kennengelernt hatten und nutzte die Chance, meine Seattle-Vancouver-Japan-Pläne über den Haufen zu werfen und fast drei Monate in Buenos Aires bei ihm zu bleiben, so dass wir uns besser kennenlernen und auch prüfen konnten, ob das mit Maximo, seinem Sohn, und mir gut geht. Ging es. Sogar sehr. Was die Zukunftsgedanken konkreter, aber natürlich nicht einfacher machten. Eine emotional intensive Zeit begann. Ich hatte in Hamburg meinen Job, meine Familie, meine Freunde, mein Leben. Und Martín genau dasselbe in Buenos Aires. Plus Kind. Wer gibt alles auf für den anderen? Wo wollen wir leben? Welche Perspektiven gibt es? Gibt es eine dritte Option zwischen Hamburg und Buenos Aires? All diese Fragen standen im Raum, wurden diskutiert, durchdacht, überlegt. Gibt es überhaupt eine Lösung?

Nach dem Sabbatjahr Ü40: Eine wichtige Entscheidung steht an

Es war absolut keine einfache Zeit, sind wir eben beide auch keine Anfang 20 mehr, als man sich leichter hätte denken können „ach komm, dann mach ich das mal eben“. Am Ende entschieden wir uns gemeinsam dafür, erst einmal eine Zeit lang in Buenos Aires zu leben. Ich tat mich schwer mit der Entscheidung und bin grundsätzlich eine Person, die eeeeewig lange braucht für private Entscheidungen. Aber wenn ich sie dann einmal getroffen habe, dann ist es auch gut für mich. Dann stehe ich dahinter und es gibt kein Zurück mehr.

Sabbatjahr Ü40: „Ich hatte wahnsinniges Glück…“

Also los. Ich habe wahnsinnig schweren Herzens nach 15 Jahren meinen Job gekündigt, habe es meinen Eltern, meiner Familie und meinen Freunden erzählt – mit unterschiedlichen Reaktionen.

Sabbatjahr Ü40 Good bye Deutschland Kuchen zum Abschied fuer Tina

Ein Sabbatjahr Ü40 mit Folgen: Bye-bye Deutschland!

Insgesamt hatte ich aber das wahnsinnig große Glück, dass ich seitens der Familie und der Freunde und am Ende auch seitens meines Arbeitgebers auf großes Verständnis gestoßen bin und sehr viel Support erhalten habe. Dafür bin ich unendlich dankbar. Und dann ging es also los mit dem Organisieren, Planen und Durchdenken.

Neuer Start, neues Glück: Buenos Aires

Und hatte ich vor dem Sabbatical gedacht, dass es viel war, so erkannte ich nun, was wirklich VIEL bedeutete. Fast jeden Tag nach meinem Job setzte ich mich abends Zuhause vor den Stapel an Unterlagen und Themen und arbeitete Schritt für Schritt alles ab. Aber ich wusste ja, wofür ich es tat.

Sabbatjahr ue40 Tina mit ihrem Freund Martin

So sieht Gück aus!

Parallel suchten wir in Buenos Aires eine neue Wohnung, denn ich wollte, dass wir gemeinsam zu Dritt neu starten und ich nicht zu den beiden ziehe. Sondern, dass es UNSERE neue Wohnung werden würde. Die wir dann auch fanden, mitten in Palermo, meinem Lieblingsstadtteil.

Sabbatjahr Ü40: Ein Abschied auf lange Zeit

Während ich also in Hamburg tagsüber arbeitete, abends den Papierkram erledigte und mich parallel selbständig machte, bereiteten wir in Buenos Aires den Umzug vor, bestellen Möbel, stimmten uns ab, überlegten, was wir wie in die Realität umsetzen konnten. Es war eine wahnsinnig intensive Zeit. Vor allem, weil der emotionale Teil des Abschieds von meinen Freunden und der Familie latent die ganze Zeit an mir nagte. Auch wenn mir bewusst war, dass es kein Abschied für immer sein würde, so ist es eben doch ein Abschied für eine lange Zeit und das ist alles andere als einfach, vor allem, wenn man so verankert ist an einem Ort, wie ich es in Hamburg bin.

Was ich nun beruflich mache:

Das mache ich gut und gerne: Ich arbeite als Freelancerin weiterhin auch für Deutsche Unternehmen und berate zum Thema Markenkommunikation. Ich liebe es, Konzepte zu schreiben und haben mich auf Strategie, PR und Events spezialisiert. Weiterhin folge ich, wann immer dies möglich ist, meiner Leidenschaft und schreibe.

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