Freunde – bin ich froh, dass ich euch habe

Ich habe über 600 Freunde. Auf Facebook. Der Titel „Freund“ wird schnell mit einem Klick vergeben. Aber es gibt Zeiten, da wird klar: Freundschaften sind ein unendlich großes Geschenk. Klingt banal? Ist es aber nicht. Denn gerade weil ja dank der sozialen Medien alle ständig scheinbar mit einander verbunden sind, sind echte tiefe Gefühle wertvoll.

Mein erster richtiger Freund war Kai. Er war ein Jahr älter als ich  und wohnte im Nachbarhaus. Wahrscheinlich war es eine Zweckgemeinschaft, und unsere Freundschaft wurde auch auf zwei harte Proben gestellt. Die erste war meine Premiere als Model. Kai und ich wollten Frisör spielen. Und da ich jünger war und längere Haare hatte, musste ich die Kundin sein. Danach trug ich dann meine erste Kurzhaarfrisur. Später erklärte mir Kai, dass Mädchen nicht Feuerwehrmann werden dürften. Wollte ich nicht einsehen – es war aber vor allem ein Umzug, der die Freundschaft beendete.

Freunde kennen lernen – nicht immer selbstverständlich

In der Nachbarschaft lernte ich andere Kinder kennen, später traf ich meine Freundinnen und Freunde in der Schule, in Jugendgruppen oder im Verein der ehemaligen Austauschschüler, bei dem ich mich lange engagierte. Neue Kontakte ergaben sich leicht, echte Freundschaften entwickelten sich oft zäh. Aber doch gab es fast überall ein paar dieser besonderen Menschen. An der Uni. In den Redaktionen, für die ich arbeite. Und später dann in der Krabbelgruppe. Aus jeder Lebensphase blieb jemand. Manche Kontakte wurden sehr locker, andere traf ich zumindest virtuell im Internet wieder, Kai beispielsweise.

Wirkliche tiefe echte Freundschaften haben sich aus beruflichen Zusammenhängen ergeben – oder auf Abenden, an denen ich mich mit jemandem unterhielt, der dort auch  kaum jemanden kannte. Und einige Freunde habe ich tatsächlich über Twitter und Facebook gewonnen – gemeinsamer Humor, bestimmter Wortwitz und anderes hatten mich neugierig gemacht und ein Bild geschaffen. Bisher war ich noch nie enttäuscht, wenn ich eine reine Online-Bekanntschaft „in echt“ traf.

Freunde sind einfach da

Freunde halten auch in miesen Zeiten zueinander  (c) Silke Plagge

Freunde im virtuellen und realen Leben  – ein Geschenk

Freunde sind Menschen, die ich einfach gern mag. Die mich gern mögen. Und auch dann da sind, wenn es nicht einfach ist im Leben. Im Internet lesen sie zwischen den Zeilen, oder sie wissen aus anderen Gründen, was bei mir los ist. Einige greifen zum Telefon, schreiben oder sind einfach da. Nicht nur am Valentinstag, der in Finnland als „Tag der Freunde“ gefeiert wird. Wie froh bin ich, dass ich sie habe. Egal, wo sie wohnen oder ob unser Kontakt eher aus gelegentlichen Mittagessen, langen Telefonaten, Besuchen oder vielen privaten Nachrichten besteht. Freunde sind Menschen, die mit mir spazieren gehen. Mit mir lachen und diskutieren. Und mich zum Weinen bringen, weil Hilfe und Unterstützung manchmal so unkompliziert und ohne Bedingungen angeboten werden.

Freunde sind Licht im Dunklen

Freunde sind Lichtblicke im Dunklen (c) Silke Plagge

Irgendwann werde ich vermutlich auch hier im Blog schreiben, was genau die schweren Zeiten sind. Aber das ist eine andere Geschichte. Jetzt möchte ich mich einfach bedanken. Dafür, dass ich mich gerade so gestärkt fühle. Es wird besser. Auch weil ihr mir Mut macht.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.