#beziehungsweise: Leben mit Freundschaft-Plus

 Unter #beziehungsweise haben wir in den letzten Wochen berichtet, wie 40-somethings lieben. Und je mehr wir uns mit dem Thema beschäftigen, desto deutlicher wird: Es gibt viele verschiedene Wege. Nicht immer passen Lebensmodelle in vorgeschriebene Raster. Auch das von Cordula (45) nicht. Denn sie hat keine Beziehung. Aber sie verzichtet auch nicht auf Sex. Sie selbst nennt sich „glücklicher Single mit Freundschaft-Plus.“ Eigentlich heißt Cordula anders, aber es war ihr wichtig, dass ihr Name nicht genannt wird. Sie wohnt in einer Großstadt irgendwo in Deutschland und hat zwei Schulkinder. Ein ehrliches Protokoll, das mit ein paar Vorurteilen aufräumt.

„So glücklich wie jetzt war ich noch nie. Ich lebe und liebe total selbstbestimmt. Gebunden bin ich nicht. Aber es gibt da schon einen Mann in meinem Leben. Mit ihm kann ich wunderbar reden, wir lachen gern – und wir haben großartigen Sex. Aber wir lieben uns nicht. Und genau das finde ich ehrlich gesagt wunderbar.

Mit dem Vater meiner Kinder habe ich eine unglückliche Ehe geführt. Dabei haben die äußeren Umstände gut gepasst. Wir waren in der gleichen Clique, unsere Eltern im gleichen Kleingartenverein. Es war alles festgelegt: erst die Lehre als kaufmännische Angestellte beenden, dann den Bausparvertrag abschließen. Hochzeit, das erste Kind, das zweite Kind, Haus bauen – das war der Plan. Wir haben nie viel miteinander geredet. Aber ich habe dieses Nebeneinander irgendwie normal gefunden. Machten es nicht alle so? Wir stritten. Immer mehr. Und irgendwann war klar – es ist endgültig vorbei. Stephan zog aus, und ich blieb allein mit den Kindern.

Mittlerweile hatte ich mich mit einer Freundin selbstständig gemacht. Wir beraten kleine und mittelständige Unternehmen bei der Büroorganisation, sortieren, organisieren und helfen, Chaos zu bändigen. Durch den Job reise ich viel. Meine Mutter oder Stephan kümmern sich dann um die Kinder. Er wohnt nicht weit weg und macht das gern.

Nach der Trennung merkte ich aber, dass mir doch etwas fehlt. Es war nicht der Alltag, in dem mir ein Mann abging. Es reicht mir, mein Leben mit den Kindern zu teilen. Am Morgen brauche ich keine Bartstoppeln im Bad oder einen Kerl, der unseren Zeitplan durcheinander bringt. Ich wecke die Kinder, wir frühstücken, da sind wir ein eingespieltes Team. Am Vormittag arbeite ich, der Nachmittag ist oft mit Familienprogramm, Haushalt und anderem gefüllt. Am Abend arbeite ich oft noch. Aber auf Dienstreisen, da fühlte es sich oft leer an im Hotelzimmer. Und die Wochenenden, an denen meine zwei beiden bei ihrem Vater sind, waren ziemlich einsam. Bis ich vor gut drei Jahren Ulli traf. Meinen besonderen Freund.

Freundschaft-Plus: Friends with benefits mit über 40

Einfach nur gute Freunde – mit einem gewissen Extra (c) pixabay.com

Wir sind sind Friends with benefits, haben eine Freundschaft-Plus. Oder wie auch immer es gerade genannt wird, wenn zwei Menschen, die sich sehr mögen, miteinander das Bett, aber nicht das Leben teilen. Ich habe mit ihm an einem beruflichen Projekt gearbeitet, wir waren beide fremd in der Stadt. Nach dem Meeting trafen wir uns noch auf ein Bier. Lachten und unterhielten uns viel. Er ist unwahrscheinlich charmant. Und genau wie ich beruflich sehr eingebunden und geschieden. Wir kamen uns näher. Um es ganz klar zu stellen: Ich mochte ihn. Und mag ihn immer noch. Aber der wirklich Funke ist nicht übergesprungen. Diese kleine Dosis Wahnsinn und Selbstaufgabe, die zu einer echten Verliebtheit gehört. Nein: Das was wir haben, ist eine gute Freundschaft. Mit sehr schöner körperlicher Nähe, die auch gut tut.

Freundschaft-Plus: Das heißt, dass alles kann und nichts muss

Wir treffen und sehen uns unregelmäßig, teilen schöne Wochenenden und auch mal zwischendurch einige Tage. Wir gucken uns gemeinsam Städte an, besuchen Flohmärkte, reden oder schlafen zusammen. Alles kann. Nichts muss. Manchmal kommt es mir so vor, als sei unsere Freundschaft wie ein Bahnhofsbesuch. Wir sind auf der Durchreise, wir küssen und umarmen uns manchmal innig, dann tut auch der Abschied weh. Weil die gemeinsamen Augenblicke innig und schön waren. Ist der Zug dann abgefahren, ist es auch wieder gut.

Freundschaft Plus - wie auf dem Bahnhof

Abgefahren: flüchtige gemeinsame Momente wie auf der Durchreise (c) pixabay.com

Es wissen nicht viele Menschen von unser speziellen Freundschaft. Ich habe es einer Freundin erzählt, die mich überhaupt nicht verstand. Einer von uns würde doch sicher leiden. Und was, wenn er eine andere trifft? Sie war überzeugt davon, dass ich Ulli doch lieben würde. Gute Gespräche, guter Sex, das spräche doch eindeutig dafür. Aber so ist das nicht. Ulli und ich leben in anderen Welten. Er hat eine andere politische Meinung als ich. Er steht auf klassische Musik, ich mag Metallica. Er hat lange studiert, ich nicht. Unsere Freundschaft ist gut. Unser Alltag würde aber nie zusammen passen. Aber warum sollte das auch so sein?

Freundschaft-Plus über 40: einfach den Augenblick genießen

Mir reichen die gemeinsamen Stunden. Verboten sind sie nicht, keiner von uns ist gebunden. Das Schöne ist ja, es gibt keine Verpflichtung. So kann ich gerade alles haben: meine Kinder, meine Freunde, wunderbaren Sex und Zärtlichkeit. Aber ich muss keine Kompromisse schließen.  Ja, das ist unverbindlicher Sex. Warum sollen den denn nur Männer genießen? Je älter ich werde, desto mehr kann ich dieser Form von Körperlichkeit abgewinnen. Ich muss nicht nachdenken, was morgen ist. Ich genieße einfach das Hier und Jetzt. Und ich mag die Zeit mit Ulli – gerade weil sie nie alltäglich wird.

Und wenn er eines Tages weniger Zeit hat? Dann ist das so. Damit kann ich gut leben. Es gab schon mal eine Frau in seinem Leben, vor ein paar Monaten. Damals sahen wir uns dann tatsächlich nur als Freunde. Ohne das Plus. Ich war nicht eifersüchtig, warum auch? Ich habe mich für ihn gefreut. Und als er dann doch wieder Single war, kamen wir uns wieder näher. Das was Ulli und ich teilen, passt einfach gerade. Und ich genieße das.“

Lust mehr zu lesen? In unserer „Beziehungsweise“-Serie schrieb Verena über darüber, wie sich Sex ab 40 verändert. Wir haben berichtet, wie es nach langjähriger Beziehung anfühlt, wieder Single zu sein und wie es ist lange verheiratet zu sein. Wie leben und lieben die 40-somethings? Dazu möchtet Ihr auch beitragen? Aber gern! Schickt uns eine Nachricht hier im Kommentarfeld, eine Mail oder meldet euch bei uns über Facebook.

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