Winterblues: Wenn eine Jahreszeit fehlt

Wann wird es wieder richtig Winter? Ein junger Singer-Songwriter mit leicht nöliger Stimme könnte doch Rudi Carrells alten Gassenhauer leicht variieren. Wäre der Hit des Jahres! Der Winter 2017/2018 ist wirklich trist. Er gilt als einer der dunkelsten in Europa, seit Beginn der Wetteraufzeichnungen. Ob das wirklich so ist oder nicht — ich vermisse die Sonne. Und vor allem richtige Wintertage.

Winterblues: Früher war gab es doch Sonne und Schnee!

Meine Kinder haben in diesem Jahr nicht einmal ihre Schneehosen getragen. Der Schlitten? Der steht schon lange im Keller und war weder in der letzten Wintersaison noch in dieser im Einsatz. Dabei erinnere mich noch sehr an die Januartage, an denen der Nachwuchs rote Backen hatte und ich die beiden auf Kufen zum Kindergarten brachte und der Schnee unter meinen Schuhen knirschte. Wir bauten Schneemänner und machten Schneeballschlachten. Und rodelten. Es gibt da so einen kleinen Hügel, für Hamburger Kinder ein Berg. Aber in diesem Jahr ist der nur von tristem, nassen Laub bedeckt.

Winterblues

Winterblues: Wenige Zentimeter Schnee, am nächsten Morgen schon wieder geschmolzen (c) S. Plagge

Es ist ja nicht immer dunkel im Winter. Und diese sonnige kalten Wintertage, die vermisse ich.  Vor 13 Jahren schob ich vorsichtig den Kinderwagen durch den Schnee. Die wenige Tage alte Mini-Tochter schlummerte auf einem Schafsfell, hatte einen roten Fleeceanzug unter der Decke an und gleich zwei Mützen. Ich war auch mal auf der zugefrorenen Alster unterwegs, erinnere mich an Eiseskälte am Meer und danach das wunderbare Aufwärmen in der Sauna.

Winter fehlt Winterblues

Klirrende Kälte, blauer Himmel und viel Schnee – ein Wintertraum (c) S. Plagge

Und jetzt? Es ist nass. Und dunkel. Ein paar Schneeflocken fallen, aber das bisschen Schnee ist schon am nächsten Tag wieder verschwunden. Wahrscheinlich haben wir alle ziemlichen Mangel an Vitamin D. Wer kann, plant jetzt wunderschöne Fernreisen , sorgt mit viel Farbe oder mit Frühlingsblume für Frische in der Wohnung. Früher half mir gegen triste Stimmung Ende Januar ja immer das Nähen von bunten Faschingskostümen. Aber die Kinder möchten das nicht mehr. Seufz.

Winterblues: Kleine Fluchten im Alltag wärmen als Seelenwärmer

Tulpen habe ich schon gekauft. Vielleicht stapfe ich am Wochenende einfach lange durch den Regen. Und gehe dann in die Sauna. Heute Morgen zwitscherten die Vögel schon laut und munter. Wenn es schon keinen richtigen Winter mehr gibt, dann hoffentlich bald einen schönen Frühling. Bis dahin kuschele ich mich ein — lese, trinke viel Tee und zünde mir Kerzen an. Für das kleine Winterglück.

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