Wellnesstrend Floating: oh, Sole mio!

Manche mögen’s heiß. Ich nicht. Auch nicht, wenn’s um Wellness und Entspannung geht. In der Sauna bekomme ich nach spätestens drei Minuten Beklemmung, im Hamam sowieso, und im Dampfbad tropft es einem ständig glühend in den Nacken, als säße man unter einer lecken Teekanne. Deshalb klang der Gutschein, den mir zwei Freundinnen zu meinem letzten Geburtstag schenkten, nach einer coolen Idee: Floating.

Auf deutsch: treiben lassen im 32 Grad warmen Wasser, in einem Becken mit sechs Prozent Salzgehalt. Das hat ungefähr den selben Effekt, den man vom Toten Meer kennt: Bei dieser hohen Salz-Konzentration hat der Körper deutlich stärkeren Auftrieb. Untergehen? Unmöglich. Man liegt wie auf einem Wasserbett, alle Viere von sich gestreckt, und chillt vor sich hin. Floaten soll Muskeln und Sehnen entlasten, das Salzwasser die Haut nicht etwa austrocknen, sondern samtig weich machen. Das heißt: Der Kopf hat frei, während der Körper zu tun hat. Auch wenn man nichts davon merkt. Deshalb wird empfohlen, nicht länger als 20 Minuten pro Gang im Wasser bleiben und sich zwischendrin vom Chillen zu erholen. Wellness hoch zwei.

Für mein erstes Mal habe ich mir einen perfekten Zeitpunkt ausgesucht. Freitag morgens um halb zehn ist die Sole-Therme des Hamburger Kaifu-Bades noch menschenleer. So kann ich mich in das weitläufige Becken der Gründerzeit-Schwimmhalle fallen lassen ohne zu fürchten, dass ich mit tiefenentspannten 70-somethings oder kichernden Freundinnen-Duos im Alter meiner Nichte kollidiere. Anders als bei anderen Anbietern hat man hier nämlich nicht einen kleinen Solo-Tank für sich, sondern dümpelt in Gesellschaft. Weil man aber beim Floating auf dem Rücken liegt, sieht man nicht den Zeh des Nachbarn, sondern nur die Wolken, die über den Dachfenstern der hohen Backsteinhalle vorbeiziehen. Ich schätze, am Wochenende oder abends kann es da zu peinlichen Zusammenstößen mit fremden Füßen, Köpfen oder sonstigen Gliedmaßen kommen.

Wellnesstrend Floating

Wow, dieses Licht und diese Farben: Sole-Pause auf der Dachterrasse des Kaifu-Bades (c) Bernadette Grimmenstein & Bäderland Hamburg

Wellnesstrend Floating: ozeanische Gefühle und Unterwasserbienen

Überraschung beim ersten Eintauchen: Ich denke, ich hab was an den Ohren. Nicht nur, weil sofort Wasser in die Gehörgänge eindringt und nur noch mein Gesicht aus dem Becken ragt, sondern auch, weil hier die Musik spielt: Aus Unterwasserlautsprechern dringen mal entspannendes Ambient-Geblubber, mal Jazz und mal Tierstimmen und Naturlaute an mein Ohr. Gut, dass Unterwasserbienen nicht stechen! Verstummt der Sound zwischendurch, höre ich ganz andere Geräusche: mein Atem, meine leisen Bewegungen, sogar mein eigener Herzschlag klingen wie elektronisch verstärkt. Körpereigene Entspannungs-Mucke.

Nicht, dass es die überhaupt bräuchte. Wie auf Knopfdruck versetzt mich das Schweben in einen tranceartigen Zustand, in dem die Welt, mein Job und alles, was mir sonst noch durch den Kopf geht, sehr weit weg scheinen. Ein geborgenes Mutterleibs-Gefühl, das sehr weit zurückliegende Körpererinnerungen berührt. Irgendwann habe ich das Gefühl, dass mein Badeanzugträger verrutscht ist, bin aber zu träge, um die Hand zu heben und ihn zurechtzuruckeln. Who cares? Ein Wunder, dass ich überhaupt mal den Kopf aus dem Wasser lupfe, um auf die Uhr zu schauen. Ich soll ja nicht den ganzen Tag hier vor mich hin marinieren.

Diese Farben! Diese Luft! Was tun die hier noch ins Badwasser?

Die erste Pause halte ich kurz, ich kann den zweiten Gang kaum erwarten; in der zweiten schreite ich über die Dachterrasse, atme kühle Frühherbstluft und bin vom Anblick gelb verfärbter Blätter völlig geflasht. Was tun die da noch in ihr Wasser, außer Natursole? Nach drei Gängen ist mir doch ein wenig kühl, also wärme ich mich in der Himalaya-Salz-Sauna direkt neben dem Solebecken wieder auf. Die hat nur 65 Grad, das mögen auch hitzescheue Gestalten wie ich.

Fazit nach drei Stunden Sole-Therme: Meine Haut ist zarter als nach einem sauteuren Peeling, meine Laune besser als nach zwei Wochen Urlaub, und das Ganze gibt’s zu einem Preis, für den man sonst eine Pizza und ein Glas Wein bekommt. Warum es an dieser Stelle kein Sole-Selfie von mir gibt? Ist doch klar: Wenn Frauchen gemütlich vor sich hindümpelt, dürfen auch die digitalen Endgeräte eine Auszeit nehmen….

 

 

 

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.