Graue Haare ab 40 – neuer Trend oder alter Zopf?

Grau ist grauenhaft. Und macht alt. Jedenfalls gilt das für Haare. Oder doch nicht? Vor kurzem hat sich die fast 60jährige Birgit Schrowange zu ihrer Naturhaarfarbe bekannt. Mit viel Medienwirbel präsentierte sie sich mit weißem Schopf. Monatelang hatte sie eine Perücke getragen. In einem Interview erklärte sie, dass sie schon seit 24 Jahren die ersten graue Haare hat. Fast ein Vierteljahrhundert gefärbt. Muss das wirklich sein?

Die „Outing“ der Moderatorin kam pünktlich zu einer neuen Sendung – ganz zufällig, klar. Und ist damit genauso wenig überraschend wie die Tatsache, dass Schrowange schon lange nicht mehr naturbraun war. Ein alter Zopf. Keiner will alt sein, keiner färbt. Es wird höchstens renaturalisiert, jedenfalls bei Alt-Kanzlern. Doch nun scheint das Bekenntnis zum altersgerechten Schopf ein neuer Trend zu sein. Echt?

Graue Haare ab 40 - oder sogar ab 20

Grau Haare als Trend der Youngster (c) pixabay.com

„Das stimmt schon. Immer mehr Frauen tragen selbstbewusst ihre echte Haarfarbe“, sagt die Stylistin Ruth Vahle Haruna. Als Beautycoach arbeitet sie für Zeitschriften und berät Kundinnen. „Seit gut einem Jahr ist das wirklich ein Trend. Die Jungen fingen damit an und färbten ihre Haare im Granny-Style grau. Und nun ist die Farbe auf einmal in.“

Graue Haare ab 40 – manchmal fällt das schwer

Zur eigenen Haarfarbe zu stehen ist allerdings nicht immer einfach. Vor allem der Übergang ist nicht leicht. Das sieht auch die Expertin so. „Die meisten würden wohl nicht zur Perücke greifen. Aber klar, einfach rauswachsen lassen sieht nicht gut aus. Man kann mit Strähnen arbeiten, einen leicht helleren Farbton wählen. Es kommt aber auch sehr auf die Naturfarbe an.“ Es nämlich nicht so, dass dunkle Haare schneller weiß werden. Sie wirken nur eher grau, während bei Blondinnen weiße Haare weniger auffallen.

„Wer sich zum weißen Haar bekennt hat, hat auch die Chance, den eigenen Typ neu zu kreieren. Sich selbst neu finden in einer neuen Lebensphase. Denn mit weißen Haaren passt nun auch ein knalliger Lippenstift, oder gewagte Farben. Gut aussehen und sexy aussehen, das geht auch in grau oder weiß.“ Aber macht es nicht doch ein wenig alt? Wenn Moderatorinnen so einen Hype um ihre echte Farbe machen müssen? „Es geht doch darum, authentisch zu sein. Das macht nicht automatisch alt, sondern wirkt selbstbewusst. Ein klares Statement: Ich bin, wie ich bin. Ich finde das wunderbar“, sagt Ruth Vahle Haruna. Immer mehr Models und Schauspielerinnen würden auch zu ihrer echten Haarfarbe stehen. „Längere weiße Haare sind doch wunderschön. Etwa bei Regine Burton.“

Graue Haare ab 40- können toll sein

Graue Naturschönheit – es kommt auch auf den Schnitt an (c) pixabay

Das macht Mut. Ich mag nämlich meine längeren Haare. Schon zur Geburt meiner Tochter erklärte mir eine Freundin, nun müsse der Zopf ab. Aber nix. Ich will meine Haare auch in zehn Jahren gern auf den Schultern spüren. Und die Farbe? Meine Mutter trug in meinem Alter passend zu ihrer Silberhochzeit einen fast schon weißen Pagenkopf. Die  Farbe trägt sie jetzt seit 25 Jahren, die sieht wunderschön aus und lässt ihre Augen leuchten. Ich hatte ja im letzten Jahr schon mal weißblonde 80er-Jahre-Strähnen. So ganz langsam werden meine Haare gerade wieder heller, nun ein wenig blond, weil sich bisher noch keine weißen Haare blicken lassen. Aber als 50-something will ich sicher keine Perücke tragen, sondern selbstbewusst zum Weiß oder Grau stehen.

Klar, das schreibt sich einfach. Nicht jede oder jeder mag die eigene Altershaarfarbe. Ich weiß ja auch noch nicht, wie meine in ein paar Jahren aussieht. Und was Trend ist. Denn so ganz einfach wird sich die Industrie es sich nicht nehmen lassen, uns von neuen Farbtönen zu überzeugen. Die Teenies färben grau? Na, dann wollen modebewusste Frauen „in den besten Jahren“ vielleicht wieder mit lila Tönungen herum laufen? Oder blau? Lassen wir uns überraschen …

One thought on “Graue Haare ab 40 – neuer Trend oder alter Zopf?

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