Umgang mit Geld – darüber spricht man doch nicht

Money money money must be funny in the rich man’s world …

Diesen Abba- Song sang ich leidenschaftlich gern in mein Kochlöffel-Mikrofon. Damals, als ich mit meiner Freundin Marina mal Agneta und mal Anni-Frid war. Den Text verstand ich als 10jährige nicht so richtig. Vielleicht wäre ich sonst reich? Der Song gibt ja sehr wertvolle Tipps, wie frau zu Kohle kommt. Sich einen reichen Mann schnappen oder im Glücksspiel gewinnen.

„Mama, wie lernt man eigentlich, richtig mit Geld umzugehen?“ fragte mich meine eigene Tochter. „Ach, Kind in deinem Alter hörte ich schwedische Popmusik, da lernte ich fürs Leben …“ das war jetzt nicht die richtige Antwort. Tatsächlich habe ich irgendwie herumgedruckst und wahrscheinlich ein wenig über Taschengeld und Sparen und so erzählt.

Über Geld redet man nicht, das hat man

Diese Einstellung scheint ziemlich verbreitet. Laut einer aktuellen Emnid-Umfrage im Auftrag der Postbank halten 53 Prozent der Deutschen Finanzthemen für eine langweilige Notwendigkeit, über die sie ungern sprechen. Interessant ist noch ein Aspekt: 16 Prozent der Befragten attestieren sich selbst mangelhafte Kenntnisse, und sieben Prozent sagen, dass sie  keinerlei Finanzwissen haben.

Finanzwissen. Ich habe in der Grundschule mit Spielgeld gelernt, was Mark und Pfennig sind. Danach wurde nie wieder über Geld gesprochen. Auch im Studium kam der persönliche Umgang damit nicht vor. Immerhin hatte ich als Nebenfach sogar „Grundlagen der Rechts- und Wirtschaftswissenschaften“.

Am meisten habe ich vermutlich von meinen Eltern gelernt. Als Oberstufenschülerin habe ich mein erstes Konto eröffnet, ein Sparbuch bekam ich von der Oma. Aber wirkliches Wissen? Hm. Schwierig.

Finanzwissen schützt

Anette Weiß ist unabhängige Finanzberaterin und Geldlehrerin. Sie wünscht sich, das der souveräne Umgang mit Geld auch in Schule gelehrt wird. „Eine Zinsformel rechnen zu können, bedeutet noch lange nicht, Finanzbildung zu besitzen. Darauf wurde in der Schule eben kein Wert gelegt“, sagt sie. Aber es ist nicht nur das mangelnde Know-How, auch Angst vor Zahlen und die Komplexität verunsichern viele.

Gerade Frauen setzten sich oft lieber gar nicht mit der eigenen finanziellen Situation auseinander, stellt Anette Weiß fest. „Viele haben Angst vor falschen Entscheidungen.“ Es seien eigenen Glaubenssätze wie „Ich kann das nicht!“ – „Das ist mir zu komplex!“ – „Da kümmert sich mein Mann!“, die viele hemmten.

Immer wieder trifft die Expertin auf Frauen, die sich ungern mit ihrer finanziellen Situation beschäftigen. „Wenn ich höre, dass Frauen bei einer Heirat auf ein eigenes Konto verzichten, kann ich das gar nicht glauben.“ Doch es gibt sie, die Frauen, die Haushaltsgeld ausgezahlt bekommen, Frauen, die nicht wissen wie viel ihr Mann verdient. Und die finanziell abhängig sind. „Davon sind auch viele über 40 betroffen.“ Es muss nicht die Scheidung sein, auch eine schwere Krankheit des Partners oder plötzlicher Jobverlust bringen dann das finanzielle Desaster.

Geld – und Geldmangel sind so unsexy

Über die Finanzen zu sprechen kommt doch irgendwie entweder großkotzig oder peinlich, je nach Kontostand, rüber, oder?  Und Anlagen und so, dass interessiert doch nicht, erst recht, wenn die Finanzlage eher nicht so rosig ist? Vielleicht sollte ich auch auf leicht esoterische Coaches hören und mir Gedanken über die Liebesbeziehung zu meinem Geld machen und es in meiner Wohnung willkommen heißen, in dem der Geldbeutel einen besonders schönen Stammplatz bekommt?

Anette Weiß spricht mit Frauen lieber über konkrete Zahlen. „Wer monatlich mit seinem Geld nicht klar kommt, muss sich zunächst einen Überblick verschaffen.“ Dinge wie Haushaltsbuchführung oder dergleichen sind vielen ein Grauen. „Das liegt auch nicht jedem“, sagt die Finanzberaterin. „Aber es ist schon hilfreich, sich ein wöchentliches Budget zu setzen. Etwa 100 Euro für die Woche einkalkulieren, diese bar abheben und auch wirklich nicht mit Plastikgeld zahlen, allein das macht viel aus.“

Wichtig ist ihr in der Beratung die Eigenverantwortlichkeit. Einen freien souveränen Umgang können nur Menschen pflegen, die sich bewusst für oder gegen etwas entscheiden können.

Ein wichtiges Thema, das wir auch hier im Blog vertiefen möchten. Ich habe nämlich noch ein wenig mehr mit Anette Weiß gesprochen. In „Umgang mit Geld Teil 2“ (demnächst auf diesem Blog zu lesen) verrät sie, was Frauen über 40 unbedingt über Geld wissen sollten. Denn die Tipps von Abba reichen einfach nicht als Finanzwissen …

3 thoughts on “Umgang mit Geld – darüber spricht man doch nicht

  1. Dummerjan

    Geht es ums Geld? Ich glaube eher darum, dass man für den Umgang mit Geld einen Lebensplan braucht – dass man weiß was einem wichtig ist und was nicht.
    Man muss wissen wo man hinwille – Geld ist dann das Mittel dazu.

    Also ist die Frage: „Wie gehe ich mit Geld um?“ eigentlich die Frage: „Wo will ich mit meinem Leben hin?“. Und die ist ziemlich schwer zu beantworten.

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  2. Lothar

    Vielleicht liegt es ja an den Zahlen? Es gibt Menschen, die haben es nicht so mit den Zahlen. Dafür haben sie meist eine blühende Phantasie. Und damit sind wir beim Geld: Geld ist, was wir denken, das es ist. Geld ist ein Beziehungsthema. Mit Geld tauschen wir Botschaften aus. Vielleicht ist das ein Weg sich vom Geld ein anderes Bild zu machen … vielleicht eines, das ich mag?

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  3. Katrin

    Das Thema Geld sollte für niemanden mehr ein Tabuthema sein. Ein vernünftiger Umgang damit stellt für viele eine sehr große Hilfe dar, insbesondere wenn Fragen in diesem Bereich aufkommen.

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