Sieben Dinge, die wir noch nicht über uns selbst wussten

Warum wird das Wellnesswochenende manchmal zum Stress? Glauben wir an die Liebe nach der Liebe? Und taugen unsere eigenen Mütter zum Vorbild? Wir 40somethings sind eine spezielle Generation – diese Fakten helfen, uns selbst zu verstehen

40somethings sind extrem verschieden

Es gibt keinen Zeitpunkt, an dem die Lebensentwürfe von uns Frauen so stark auseinander driften wie mittendrin. Ein Alter, in dem wir Farbe bekennen: Karriere, Kinder oder keines von beiden, Lebensabschnittspartner oder Jugendliebe mit silbernem Beziehungsjubiläum. Ein Alter, in dem nicht mehr alles möglich ist, aber noch vieles. Während vor wenigen Jahrzehnten schon Mütter über 30 als „späte Erstgebärende“ misstrauisch beäugt wurden, ist heute jede fünfte Mutter eines Neugeborenen 35 oder älter. Deshalb gibt es unter 40somethings alles: Säuglings-Mamas, Empty Nester, Frauen, die nun endgültig und bewusst auf ein Kind verzichten und solche, für die sich die Baby-Option nicht ergeben hat; WG-Zimmer-Mieterinnen und Villen-Besitzerinnen, Chefinnen und Praktikantinnen.

40somethings hatten gute Vorbilder

Wir sind erwachsen geworden in einer Zeit, in der Frauen auf Ministerposten und in Chefpositionen keine exotische Ausnahme mehr waren. Eine Generation Fun, die ihre Mädchenzimmer mit neuen Heldinnen tapezierte: Erst mit Pippi Langstrumpf-Postern, später mit Starschnitten der jungen Madonna, die ihren BH nicht verbrannte, sondern lieber über der Spitzencorsage trug. Und trotzdem alles andere als ein männerdominiertes Weibchen war. Unser Background ist ein Vitamincocktail fürs Selbstbewusstsein: In Umfragen bejaht die Mehrheit unserer Altersgruppe Aussagen wie „Ich weiß genau, was ich will“ und sogar: „Ich möchte nicht noch einmal 20 sein“.

Herzchenaugen? Keine Frage des Alters (Foto: Anette Göttlicher)

Herzchenaugen? Keine Frage des Alters (Foto: Anette Göttlicher)

40somethings machen noch lange nicht Schluss mit Lust(ig)

Laut einer kalifornischen Uni-Studie steigt die Zufriedenheit im Bett bei sexuell aktiven Frauen ab 40 an, statt dass sie abnimmt. Nicht selten ist dabei auch ein neuer Partner im Spiel. Denn: Bei einer Scheidung sind Frauen im Schnitt 43 Jahre alt, und das Kapitel Liebe ist für sie keinesfalls abgeschlossen. Eher beginnt ein neues, aufregenderes. Sexualforscher bestätigen, was wir immer ahnten: Wer frisch verliebt ist, hat in jedem Alter aufregenden Sex – ob mit 25, 45 oder 65.

40somethings sind gebildeter als alle Jahrgänge vor ihnen

Jede dritte 40jährige hat Abitur, jede fünfte einen Hochschulabschluss – noch eine Generation früher lag der Frauenanteil in beiden Kategorien noch weit unter zehn Prozent. Der traditionelle Weg – kurze Ausbildung, Heirat, Kinder, nebenbei das Ehrenamt in der Kirchengemeinde – ist für die Mehrheit passé. Die Soziologieprofessorin Birgit Geissler von der Uni Bielefeld bestätigt: „Der Wandel in der Arbeitswelt hat zu dramatischen Veränderungen in den Lebensläufen geführt. Bei Frauen stärker noch als bei Männern.“ Beide Geschlechter stehen vor ähnlichen Herausforderungen: Gute Jobs, Aufstiegschancen, aber zugleich schwindende Sicherheit. Abwechselnd Festanstellung, befristete Jobs und freiberufliches Vor-sich-hin-wursteln. Wechselnde Wohnorte, wechselnde Positionen.

40somethings stehen ganz schön unter Druck

Vollkommen fix und vierzig – auch das gehört zu unserem Lebensgefühl. Ines Imdahl, Psychologin, Geschäftsführerin des Kölner Rheingold-Salons und mit 46 Jahren selbst Teil dieser Altersgruppe, weiß, warum die Erschöpfung nicht nur Frauen betrifft, die gleichzeitig Kind und Job wuppen. Denn ein Dilemma teilen wir alle. Aufgewachsen mit dem Versprechen unendlicher Möglichkeiten, müssen wir irgendwann einsehen, dass wir eben doch nicht alle gleichzeitig verwirklichen können. Das stresst. Imdahl: „Was wir mit Ende 20 als Vielfalt empfunden haben, verwandelt sich häufig zehn Jahre später in Druck. Nicht: du kannst alles haben, sondern du musst alles haben, überall perfekt sein.“ Gestylt im Nachtleben, gestählt im Studio. Als Babymanagerin, die das späte Wunschkind zwischen Früh-Englisch und Säuglingsmassage hin- und herkarrt, als Gartenbesitzerin, die sich halbe Nächte in Online-Foren um die Ohren schlägt, um den besten Dünger für ihre Staudenbeete aufzutreiben. Um sich und anderen zu beweisen: Mein Weg war genau der richtige.

Ich krieg den Föhn: Manchmal ist Entspannung echt die Härte

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40somethings stressen sich sogar bei der Entspannung

Von der Selbstbefragung und Sinnsuche ist es nur ein kurzer Weg in den Yogakurs und zum Meditationsseminar – Mantras singen gegen den Multioptionsstress. Eigentlich eine sehr gesunde Reaktion. Doch selbst das kann wieder in neuen Druck ausarten: Statt heilsamer Entspannung, sagt Psycho-Expertin Ines Imdahl, ist nämlich Gelassenheit wieder ein neues Ziel, das es nun auch noch zu erreichen gilt. Nach dem Motto: Entspann dich! Sofort! Verdammt noch mal!

40somethings können nicht viel von ihren Müttern lernen – eines aber schon

Denn die konnten besser, was uns heute so schwerfällt: loslassen. Ohne dabei auch noch perfekt aussehen zu wollen. Uns guten Gewissens auch mal auf unseren Lorbeeren ausruhen, wenigstens ab und zu. Abends in der Jogginghose von 1992 vor dem DVD-Player lungern. Auch wenn unser Liebster dann sieht, dass unser Bauch nicht mehr so aussieht wie Angelina Jolies, die drei Kinder geboren hat und wir vielleicht gar keines. So what? Ernst nehmen, wenn unserer Mütter uns mahnen: Kind, wie schaffst du das alles, gönn dir doch mal eine Pause! Uns verzeihen, wenn wir immer wieder unter unserer selbstgelegten Messlatte durchrutschen: Weil wir für das Abendessen mit Freunden eben doch das Tiefkühlbaguette auftauen, weil die Zeit zum Brot selbstbacken nicht reicht, weil wir unsere Kinder auch mal anblaffen, statt uns verständnisvoll auf ihre Augenhöhe zu begeben. Denn erst wenn wir uns selbst nicht mehr gar so viel abverlangen, uns ein klein bisschen weniger ernst nehmen, uns vielleicht sogar eine winzige Dosis Altersweisheit zugestehen, dann können wir sie so richtig genießen: Die besten Jahre unseres Lebens.

Jetzt geht's rund: Manche Höhenflüge sind erst mit Ü40 möglich (Foto: Anette Göttlicher)

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