Mitfahrgelegenheit BlablaCar: Willkommen im Sabbeltaxi

Du bietest Mifahrgelegenheiten an? Wenn ich erzähle, dass ich regelmäßig beim Anbieter BlablaCar Fahrten reinstelle, wundern sich meine Freunde und Bekannten. „Ist doch eher so ein Studentending, oder?“ schicken sie dann meistens noch hinterher.

Umweltfreundlicher mit der Mitfahrgelegenheit BlablaCar

Das finde ich überhaupt nicht. Denn es ist sehr viel ökologischer, wenn Autos alle vollbesetzt sind – und noch wichtiger: Es macht viel mehr Spaß, nicht alleine fahren zu müssen. Außerdem möchte ich auch, dass mein heißgeliebter Lupo, der viel zu wenig fährt, neue Leute kennenlernt. In meinem speziellen Fall als Schreiberin kommt noch hinzu, dass sich die Geschichten zu mir ins Auto setzen.

Der ewig gleiche Weg von Hamburg nach Kiel

Inzwischen wohne ich schon seit 22 Jahren in Hamburg. Vielleicht könnt Ihr euch vorstellen, wie oft ich die Strecke auf der A7 schon gefahren bin? Meinen Lupo nenne ich deshalb auch „das Kiel-Mobil“. Aber eines ist klar: Es ist langweilig, immer denselben Weg zu fahren! Deshalb war ich total froh, als ich vor ein paar Jahren die App BlablaCar gefunden habe. Wann immer ich jetzt in die eine oder andere Richtung fahre, stelle ich ein paar Stunden oder einen Abend zuvor ein Mitfahrangebot ins Netz.

Mitfahrgelegenheit Blablacar PR-Foto

Mitfahrgelegenheit bei Blablacar: Zackig die Fahrt einstellen und in den Sabbel-Modus gehen. Foto: PR

Meine Mitfahrer: fast immer Menschen, die ich mag

Klar, oft fahren Leute bei mir mit, die locker mal 20 Jahre jünger sind als ich. Aber nicht immer: Ich hatte schon einen Vertreter für 3-D-Drucker, der Kliniken beliefert an Bord, eine junge Bloggerin, der ich inzwischen auch auf Facebook und Instagram folge, einen Finanzberater, der es selbst nicht einsieht, sich ein eigenes Auto anzuschaffen, weil die Kosten einfach viel zu hoch sind. Einen Salafisten, der mich überzeugen wollte, dass es doch für eine Volkswirtschaft viel besser sei, wenn Frauen nicht arbeiten. Und einen jungen, sehr ökobewussten Typen, der das Konzept des Sharing in seinem ganzen Leben verfolgt.

Eine Aserbaidschanerin nannte mich immer „Frau Esther“ und wollte mich mit ihrem russischen Kumpel verkuppeln, von dem sie mir sogar ein Foto auf dem Handy zeigte. Ach, und ein Mitfahrer hat mir verraten, dass Til Schweiger auch immer Leute mitnimmt, weil er sich gern mit Hinz und Kunz unterhält.

Die Blablafahrt ist wie eine Pralinenbox …

Besonders berührt hat mich die Geschichte eines jungen Kurden aus dem Nordirak unter den Mitfahrgelegenheiten bei BlablaCar. Dur heißt der Junge. Ich schätze, dass er noch keine 20 Jahre alt ist. Er ist schon seit mehr als zehn Jahren in Deutschland, spricht hervorragendes Deutsch und ist ein angenehmer Mitfahrer gewesen. Gepflegt, sehr höflich und hilfsbereit. Ziemlich schnell sind wir auf das Thema Religion, Politik und Migration gekommen. Er erzählte mir von seinen türkischen Freunden, die Erdogan verehren, und dass er jedes Mal, wenn sie von ihrem Polit-Idol schwärmen, schwer schlucken muss.

Wenn aus der Mitfahrgelegenheit bei Blablacar spannende Geschichten werden

Am Ende konnte ich ihm ein paar Tipps geben, wie er etwas Feuer aus der Diskussion nehmen kann, und warum er nicht alles schlucken und sich hinterher ärgern sollte. Da waren wir dann schon nicht mehr bei der Politik, sondern beim normalen Umgang unter Freunden. Ich glaube, auf dieser Fahrt haben wir beide viel gelernt.

Ich habe einen Einblick bekommen, welche Probleme junge Migranten auch untereinander hier haben, und er hat ein paar Tipps von einer etwas älteren, und wahrscheinlich erfahreneren Frau bekommen, die ihm offensichtlich gefallen haben. Als Bewertung gab er mir fünf von fünf Sternen und schrieb bei Blablacar folgenden Kommentar: „Perfekt – super Unterhaltung mit ’ner netten, jung gebliebenen Dame :)“. Da musste ich schlucken.

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