Autotest Ford-S-Max: das Besserwissermobil

Schnuckelig war er, der Große. Einer, der einiges drauf hat, aber nicht zu sehr protzt. Maxi. So haben wir ihn getauft. Drei gemeinsame Tage sollten wir haben. Ein Test. Ob es auch wirklich langfristig etwas mit mir und ihm würde? Es war ja ohnehin ein aufregender Sommer. 

Autos und ich, das ist kompliziert

Mein Verhältnis zu Kraftfahrzeugen ist, sagen wir mal, speziell. Und das seit meiner Kindheit. Mein Vater bekam alle zwei Jahre einen neuen Firmenwagen. Und mir wurde ungefähr ein Jahr lang vom Neuwagengeruch schlecht. Ein Jahr Pause, dann wieder das gleiche Problem. Mit 18 nahm ich brav Fahrstunden, bekam den Lappen bei der dritten Prüfung und durfte häufig mit dem roten Golf, Baujahr 1976, durch die Gegend fahren. Der hatte 50 PS und mit Rückenwind kam ich auch schon mal auf 140 km/h. Später im Studium und bei den ersten Jobs in großen Städten brauchte ich kein Auto. Nur ab und an mal aus beruflichen Gründen einen Leihwagen. Auch die Familienkutsche lenkte ich gelegentlich.

Aber so ein Auto mit all der Technik des 21. Jahrhunderts? Wie würde ich damit zurecht kommen? Schließlich habe ich in einer Zeit den Führerschein gemacht, als man bei Autos noch den Choke als Starthilfe ziehen musste und – angeblich! – einen kaputten Keilriemen durch einen Damenstrumpf ersetzen konnte. Also im mechanischen Zeitalter. Ich war jedenfalls skeptisch. Und freute mich gleichzeitig auf die Herausforderung. „Wow, das Auto ist da!“ rief der Zehnjährige. „Ziemlich riesig“. Fand ich auch. Himmel, was sollte ich mit den ganzen Bedienelementen dort drin anfangen? „Och, das erklärt sich ganz von allein“, sagte der Mitarbeiter und ließ mir die Unterlagen, den Ford-S-Max und den Schlüssel da. Puh. Gemeinsam mit den Kindern guckte ich mir dann erst mal unseren neuen Begleiter an. Ich schnupperte sehr vorsichtig. Erleichterung: Er roch schon mal nicht so fies wie damals die Firmenautos.

Autobericht Ford-S-Max in Bremen

Kuscheln mit dem Ford S-Max in Bremen (c) Silke Plagge

Autotest Ford-S-Max: Die Tour geht los

Unsere erste Tour starteten wir in Bremen. In einer kleinen Straße mit Kopfsteinpflaster und alten schmalen Häusern. Der stattliche Ford-Neuwagen fiel sofort auf. Denn auch wenn er kein Van ist, misst er immerhin 4, 80 m Länge. Er ist aber eher so hoch wie ein üblicher Kombi. Das lässt ihn nicht ganz so wuchtig wirken. Es gibt auch eine dritte Sitzreihe. Mein Nachwuchs war begeistert und plante gleich, welche Freunde wir mit auf die Spritztour nehmen könnten. Während die Kinder beglückt feststellten, dass die Sitze nach leichten Knopfdruck hoch, runter und zur Seite fuhren und das emsig testeten, warf ich einen kritischen Blick auf das Cockpit. Ziemlich viele Knöpfe und Schalter! Jedenfalls mehr als damals beim Golf von 1976.

Und was der Große sonst noch so alles hat: Scheinwerfer-Assistenten mit Tag/Nacht Sensor (und ich wunderte mich erst: wo geht denn das Licht an?) – Verkehrsschild-Erkennungssystem, Geschwindigkeitsregelanlage, Pre-Collision Assistent. Braucht man so etwas wirklich? Was ist das? Ich war skeptisch und für mich erklärten sich die vielen Tasten und Möglichkeiten zum darauf drücken auch nicht von allein. Die Anleitung im Handschuhfach war ein ziemliches Buch … Nach Einlese-Zeit und Gepäck-Verstauung ging es dann aber doch los auf die A1 nach Hamburg.

Autotest Ford-S-Max

Wir fahren, fahren auf der Autobahn! Das Bild nahm die Beifahrerin auf … (c) Silke Plagge

Während ich früher bei mir unbekannten Autos ein wenig mit der Gangschaltung kämpfte, war das hier gar nicht möglich: Das Display zeigte an, wann bitte hochgeschaltet werden wollte. Ich fragte mich allerdings schon, was dann noch der Unterschied zwischen einem Schaltgetriebe und einem Automatikwagen ist. Und wer hier der Bestimmer ist. Gleichberichtigt war unser Verhältnis also von Anfang an nicht.

Bin gar nicht müde – technische Finessen beim Autotest Ford-S-Max

Es war sehr schnell klar, das dieses Auto wirklich einen sehr umfangreichen Bordcomputer hat und diese neueste Generation den menschlichen Fahrer eigentlich kaum noch benötigt. Ich gab nicht genug Gas oder ruckelte am Lenkrad? Maxis „Müdigkeitswarner“ meldete sich besorgt und im Display erschien unübersehbar der Hinweis, dass der Fahrer eine Pause bräuchte. Das Auto weiß alles. Und alles besser. Dem musste ich erstmal zeigen, wer hier die Chefin ist! Und ignorierte den ein oder anderen Vorschlag. Etwas gewöhnungsbedürftig fand ich auch den Fahrspur-Assistenten. Ist der eingeschaltet, so melden die Sensoren, ob der Wagen auch brav in der Spur ist. Zu weit nach rechts oder links? Dann erscheint nicht nur eine rote Warnung, der S-Max greift ein. Ganz sanft korrigiert er den Kurs. Das fühlt sich wirklich so an, als ob jemand leicht an das Steuer greift. Fast wie damals in der Fahrstunde. Das kam bei mir gar nicht gut an. Erst mir erzählen, wann ich müde bin, und dann auch noch Griff ans Steuer? Hallo? Bist du mein Auto, oder meine Mutter? Immerhin kann die Funktion ausgeschaltet werden, Mütter auf dem Beifahrersitz hingegen … aus Sicherheitsgründen schweige ich lieber.

Autotest Ford-S-Max:Blick ins Cockpit

Ein Blick ins Cockpit: ziemlich viele Knöpfe und Schalter. (c) Silke Plagge

Am nächsten Tag machten wir drei dann eine längere Tour – es ging an die Lübecker Bucht, einen der letzten Sommertage voll auskosten. Die Strecke war recht frei und so probierte ich eine Funktion aus, die ich auch noch nicht kannte. Einen Tempomaten. Diese Geschwindigkeitsregelanlage ist prima bei einer fast leeren Autobahn. Nix mehr Gas geben, das macht das Auto allein. Ja, ja. Ich weiß, das ist nicht neu. Für mich aber schon. Denn, wir erinnern uns: Ich bin mit Viergang-Getriebe und Handkurbel für Fenster sozialisiert worden! Und das neue Ding, das fand ich ungemein klasse.

Meine Mitfahrer fanden die Rücksitze bequem und schätzten kleine Details. Solche wie die vielen Getränkehalter und Ablagen. Auf langen Strecken mit Kindern enorm wichtig. Und natürlich auch zwei USB-Anschlüsse und insgesamt vier 12-Volt-Anschlüsse und eine 230-Volt-Steckdose in der Mittelkonsole. Hier hätten die Kinder also ihre technischen Geräte auch aufladen können. Oder war das wieder so eine Art Bevormundung? Müllt mich nicht zu? Macht keinen Lärm? Dafür biete ich euch Saft für Geräte, die euch ruhig halten?

Autotest Ford-S-Max mit Reiseziel

Die Lübecker Bucht – bequem erreichter Traum (c) Silke Plagge

Aber alles in allem war Maxi  zwar etwas despotisch aber doch auch sehr zuverkommend. Er fuhr ohne zu murren und mit wenig Treibstoff schnell ans Meer, war zuverlässig bei Regenwetter, machte Spritztouren ins Grüne und fuhr Einkaufen und transportiere auch alle Taschen. Daran könnte ich mich gewöhnen. Ausflüge in die Innenstadt bot ich dem Ford-S-Max aber nicht an. Denn Parkplätze sind dort Mangelware. Da nützt auch die  Einparkhilfe nichts. Fünf Meter Parklücke finden sich nicht so leicht, und außerdem fängt er wie alle modernen Autos hysterisch an zu piepen, wenn’s mal enger wird.

Technische Spielereien können toll sein. Nur: Brauche ich wirklich ein Verkehrsschild-Erkennungssystem? Das weiß ich ja wohl selbst noch immer am besten, was die bedeuten. Die haben sich auch seit 1985 nicht entscheidend verändert. Außerdem hat die Luxusausstattung selbstredend ihren Preis. Als Basismodell kostet der Ford-S-Max 35.000 Euro, unser Testwagen hatte einige Extras und lag damit bereits bei 48.000. An der Sache mit dem Geld scheitern so einige Beziehungen. Und auch wenn Größe immer relativ ist: für meine Bedürfnisse im Alltag als Großstadt-Kleinfamilie ist der Wagen zu voluminös. An seine besserwisserische Art könnte ich mich vielleicht doch noch gewöhnen. Spätestens in ein paar Jahren, wenn meine Tochter mitten in der Nacht von irgend einer Party abgeholt werden möchte – da wäre so ein Müdigkeitsassistent dann doch eine feine Sache….

Autotest Ford-S-Max: leicht eingeparkt

Der Ford-S-Max macht sich hübsch am Straßenrand mit dem ersten Laub des Jahre 2017 (c) Silke Plagge

*Vielen Dank an die Firma Ford, die uns den Wagen für den redaktionellen Test kostenlos zur Verfügung gestellt hat. Unser Test ist unabhängig. Wir behalten uns vor, kritisch zu berichten und geben nur unsere Meinung wieder. Mehr Information zum aktuellen Modell des Ford S-Max bei Ford.

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