Alte Liebe: Mein Auto gehört zu mir!

Bin ich wirklich reif für eine Trennung? Und was passiert, wenn ich nach 18 Jahren Abschied nehmen muss? Letzte Woche war es fast so weit. Mein Lupo und ich, wir zwei hätten beinahe aufgegeben. Montags bin ich noch mit ihm nach Kiel gefahren, weil mir sein Zustand akute Sorgen bereitete. Mein Bruder sollte sich meinen alten, quietschgrünen Freund mal genauer anschauen. Er roch so stark nach Benzin, das konnte kein gutes Zeichen sein. Ich probierte, mit offenem Fenster zu fahren und dachte, mir schwinden gleich die Sinne. „Das kann nicht so schlimm sein“, lautete die erste Diagnose, die mein Bruder stellte. „Vielleicht eine Schelle, ein geplatzter Schlauch.“ Halbwegs beruhigt fuhr ich die A7 wieder Richtung Hamburg. Aber am nächsten Tag entpuppte sich die Kleinigkeit als kaputte Benzinpumpe. Dazu kamen noch ein paar weitere Leiden.

„Damit können Sie nicht mehr fahren, damit könnten sie in die Luft fliegen“, erklärte mir der Kfz-Profi in der Werkstatt. Als ich ihm erzählte, dass ich am Tag zuvor noch im Auto fröhlich rauchend aus Kiel gekommen war, schaute er mich mit großen Augen an. „Oh, mein Gott, seien sie froh, dass nichts passiert ist.“ Um mir seinen Schock bildlich zu beweisen, zeigte er mir seine hochgestellten Härchen an den Unterarmen. Gänsehaut. Die hatte ich auch, als ich sah, dass unter dem Rücksitz zwei Zentimeter Sprit vor sich hin plätscherten.

Alte Liebe: Mein Auto ist ein perfektes Match

Mein Lupo, mein kleines fröhliches Auto – als ich ihn vor 18 Jahren kaufte, gab es noch einen Blumenstrauß dazu. Ich war 31 und freute mich wie eine Braut auf die gemeinsame Zeit mit meinem neuen Freund. Perfekte Form, klein genug für jede übriggebliebene Parklücke, auf die man in meinem Stadtteil angewiesen ist, und trotzdem robust. Perfect Match! Auf dem Weg von der Werkstatt nach Hause dachte ich an unsere gemeinsamen Momente.

 alte Liebe: Mein Auto und ich 40-something.de

Ein echter Charaktertyp, eine alte Liebe: Mein Auto und ich lassen sich vorerst noch nicht scheiden

Kurz nach dem Kauf machten wir uns auf die erste größere Fahrt. Die Expo in Hannover zur Jahrhundertwende. Auf dem Beifahrersitz mein damals noch kleiner Neffe. Mit seinen 11 Jahren meckerte er leicht machomäßig, warum ich mir denn kein richtiges Auto gekauft hätte. „Einen BMW, oder so“, murmelte er aus seinem blassen Gesicht.

As time goes by – wir werden beide älter

Tatsächlich war mein Lupo schon in den Nullerjahren fast ein Auslaufmodell. Obwohl es da noch mehrere von seiner Sorte gab: ohne Zentralverriegelung, ohne Servolenkung und natürlich auch ohne ABS. Als ich jetzt in die Werkstatt rollte und der junge Azubi Hasan meinen Wagen auf die Hebebühne hievte, schaute er mich mit Kulleraugen an – er versuchte, das Lenkrad zu bewegen. Vermutlich ist mein Auto nur ein, zwei Jahre jünger als der angehende Kfz-Profi. Lustig fand er das. Finde ich auch, und außerdem nenne ich meinen Wagen auch gerne meine mobile Muckibude, weil mich seine Schwerfälligkeit manchmal nervt. Nach zwei, drei Parkmanövern kann ich mir das Armtraining mit Gewichten sparen, weil der Lupo ein schwerer Klops ist. Und irgendwie bleibt es doch eine alte Liebe: mein Auto und ich.

Zum Partnerschafts-TÜV: Alle zwei Jahre kommt die Krise

„Ich rufe Sie an“, gab mir der Kfz-Meister mit auf den Weg. Dieser Satz kann bei Männern ja alles oder nichts bedeuten … Vorher hatte ich ihm noch erzählt, dass ich in mein Auto, meine alte Liebe, nicht mehr allzu viel investieren wollte. Dabei guckte er auf meinen Kfz-Schein und sagte: „Das können Sie doch nicht einfach so machen! Sie sind doch Ersthalterin, und der Lupo sieht doch sonst noch gut aus.“ Schuldig fühlte ich mich. Eine Trennung aus Geldgründen. Ui, das klingt nicht schön. Ich hatte einfach Angst, dass sich unsere Beziehung jetzt zu einseitig entwickelt: Ich diejenige, die sich kümmert, ständig investiert (vor allem regelmäßig vor unserer großen Partnerschaftsuntersuchung) und er, der sich verwöhnen lässt und gerade noch durch bloße Anwesenheit glänzt, bis dass der TÜV uns scheidet.

Alte Liebe: Mein Auto und die Erinnerungen …

Diesmal fungiert der Kfz-Experte als Scheidungsanwalt, der die Mediatorenrolle bevorzugt. „Für 800 Euro kriegen wir das wieder hin“, verspricht er mir. Mindestens zwei Jahre lang könnte meine Mensch-Maschine-Beziehung dann noch dauern. Ich denke an unsere wilden Zeiten, mit Zelt im Kofferraum und Strandsand unter den Reifen. Oder daran, als wir immer mutiger unseren Radius erweiterten und eben nicht nur die ewig gleichen 100 Kilometer an die Ostsee fuhren. Ob wir das noch mal hinkriegen? Ich denke schon. Alte Liebe und so.

 

One thought on “Alte Liebe: Mein Auto gehört zu mir!

  1. Steffi

    Ich muss mich gleich von meinem geliebten Auto trennen weil ein bekloppter Brandstifter meinte meins anzuzünden..
    Und in einer Stunde kommt der Schrotthändler!

    Reply

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