Generation Neugier: mein erstes Barcamp

Wieder ein erstes Mal: mein erstes Barcamp! Klingt nach Prosecco und Cocktailschlürfen, und so reagierte auch prompt meine Nachbarin: „Na denn, Prost“, wünschte sie mir zur Abreise. Dabei hat ein Barcamp weder mit Drinks noch mit Zeltplatz zu tun, ein Barcamp ist etwas ganz anderes: eine Un-Konferenz. Eine Konferenz ohne Plan. Aber mit lauter tollen Menschen. Jeder Teilnehmer ist Experte, jeder kann Themen vorschlagen, die zum Motto des Meetings passen. Unseres hieß „Community“. Das heißt: Dort trafen sich lauter Menschen, die in dieser Internetwelt arbeiten.

Ich war ziemlich gespannt. Sehr, sehr neugierig. Und ein wenig besorgt. Würde ich da als ü40-Journalistin nicht ziemlich alt aussehen? Allein unter Geeks, deren Geburtsjahrgang etwas meinem Abi-Jahrgang entspricht?

Neugier auf das #ccb16 – mein erstes Barcamp

Der Morgen fing für mich etwas chaotisch an. Lautes Stimmen-Durcheinander, ein sehr überfüllter, schmaler langer Raum. Schon die Vorstellungsrunde passte zum Web-Thema: Namen, Wohnort, drei Hashtags (früher als Schlagworte bekannt). Also etwa: Silke, Hamburg, #Barcamppremiere #neugierig #nordischbynature. Naja, der letzte Begriff war eine Notlösung. Eigentlich wollte ich ja 40-something sagen. Aber macht mich das nicht alt?

Generation Neugier - auf dem ccb16 in Berlin

Der Stundenplan hängt – Qual der Wahl. Foto: (c) Michael M. Roth, MicialMedia

Danach wurden die Sessions vorgestellt. Einige Teilnehmer hatten sich etwas im Vorfeld überlegt, andere schienen eher spontan inspiriert. Ich musste mir überlegen, woran mitmachen oder zuhören wollte. Alles klang spannend! Social Media Monitoring, Reichweite, die Frage nach Erfolg, Moderation von Communitys. Für mich faszinierend. Ich habe schon immer gern gelernt. Habe wahnsinnig gern und recht lang studiert. Und nun saß ich wieder in überfüllten Räumen. So viele Eindrücke! Ich habe reichlich viel mitgeschrieben. Ja, old school. Natürlich tippten andere gleich auf ihren Tablets. Aber macht allein das sie schon zu trendy Weltgestaltern? Ich kenne Teenager, die kommen mir älter vor als meine Mutter. Weil sie zwar selbstverständlich ein Smartphone besitzen, aber immer nur die gleichen drei Apps anwählen, die gleichen zwei platten Youtube-Kanäle abonniert haben oder uninspirierte WhatsApp-Chats führen. Neugier und Entdeckerfreude haben nichts mit dem Geburtsjahrgang zu tun!

Ich glaube, es war in der Schlange zum Mittagessen, als mir klar wurde, was das ganz besondere dieses Barcamps ausmacht: die gemeinsame Aufgeschlossenheit, die Offenheit für Themen und echtes Interesse an Neuem. In den Pausen, auf der Suche nach Räumen, vor dem antiken Fahrstuhl: Überall traf ich Menschen mit neugierigen Augen. Das Alter? Spielte keine Rolle. Ein Highlight für mich war ja, dass ich mein persönliches Role Model für die digitale Zukunft traf: Ilse Mohr. Sie ist ü50, schreibt den Blog Silvernerd, twittert klug, und bewegt sich unter Vollbart-Geeks wie ein Fisch im Wasser. Natürlich brachte sie es auch wieder mal auf ihrem Lieblingskanal auf den Punkt:

Generation 40-something: Too old to live, too young to die?

Das Alter war dann doch noch Konferenzthema. Zunächst in kleiner Runde, dann am Sonntag in verschiedenen Diskussionen. Eigentlich ging es um „Führung im Digitalen Wandel“. Und dann fiel der Begriff  „Die Problemgeneration 50plus“.  Die rasanten technischen Änderungen mache die oft nicht mehr mit, hieß es. Fände einiges schwierig, beharre darauf, dass Dinge so wie sie sind, gut laufen. Oder? Der Widerspruch kam prompt: „So ein Quatsch, die Silvergeneration ist wenigstens diszipliniert und arbeitet, wenn es sein muss. Die haben nicht so eine Anspruchshaltung wie die Jüngeren.“

Generation Neugier - Lebenslanges Lernen

Generation Neugier: immer wieder lernen Foto: (c) Michael M. Roth, MicialMedia

Die Diskussion wurde im Flur weiter geführt. Wer sind denn „die Älteren“? Wir 40-somethings eindeutig schon. Klar, wir können uns noch daran erinnern, wie es war, als Telefone noch Wählscheiben hatten, Unibibliotheken mit Mikrofiche ausgestattet waren und es nur drei TV-Programme gab. Aber ist das nicht ein wenig platt? Auch auf dem Barcamp waren ziemlich viele Teilnehmer über 40 dabei. Krückstocke sah ich keine. Aber ich hörte neugierige Fragen. Ist das eigentliche Alter wirklich so wichtig?

Scheiß drauf. Ich glaube, genau das ist die richtige Einstellung. Es ist eine Frage der Neugier, des Dranbleibens. Wenn die Generation der jetzt 30-Jährigen die Augenbrauen hochzieht, weil ein Kollege schon 40-something oder 50-something ist – dann ist das eher arm. Denn die Generation Neugier wird gar nicht vom Geburtsjahrgang geprägt. Die beginnt im Kopf. Und jeder kann dazu gehören.

 

Danke an die Organisatoren, die Sponsoren und die wunderbaren klugen, kreativen Menschen, die ich treffen durfte! Und an Michael M. Roth, der mir seine Bilder zur Verfügung gestellt hat.

 

 

 

 

 

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