Astrologische Schwestern: Seelenverwandtschaft oder Zufallstreffer?

Silke und Verena haben viel gemeinsam: den gleichen Job, Kinder im ähnlichen Alter, den gleichen Wohnort. Hat das jetzt damit zu tun, dass sie am gleichen Tag im gleichen Jahr geboren wurden – oder ist das reiner Zufall?

 Liebe Silke,

du als Langzeit-Einzelkind weißt, wie das ist: das Solo-Leben hat seine Vorteile, aber manchmal wünscht man sich dringend ein Geschwisterkind. Du musstest acht Jahre warten, bis du endlich einen Bruder hattest, ich habe meine beiden Halbschwestern erst als Erwachsene so richtig kennen gelernt. Aber dass sich der Wunsch nach einem Bundesgenossen manchmal noch ganz anders erfüllt, das habe ich an jenem Abend vor etwa zwei Jahren erlebt, als sich unsere Wege auf einer noblen Dinnerparty kreuzten. Vielleicht lag es daran, dass wir uns beide nicht so ganz hundertprozentig zu Hause fühlten in dieser Umgebung, vielleicht, dass wir uns schon mal in der digitalen Welt flüchtig begegnet waren. Jedenfalls saßen wir die nächsten zwei Stunden gegenüber und erzählten uns unser Leben. Was einerseits völlig unüberraschend war, und dann auch wieder sehr. Denn deines kam mir bekannt vor, und dir meines. Wir hatten die gleiche Journalistenausbildung gemacht, Kinder im fast identischen Alter, und spielten damals gerade mit dem Gedanken, ein Blog zu starten. Vielleicht war es auch eine ähnlich offene Art, die uns einander schnell vertraut machte. Ein bisschen, als würden wir in einen Spiegel sehen.

Astrologische Schwestern

Verena 2015: Frau trägt Bob (c) Verena Carl

Astrologische Schwestern teilen viel – sogar die Frisuren

Was wir an dem Abend noch nicht wussten, verriet uns Facebook erst viel später: Wir sind astrologische Schwestern. Am gleichen Tag geboren, und nicht nur das, sondern sogar im gleichen Jahr. Nur dass du 700 Kilometer weiter nördlich das fahle Dezemberlicht des Jahres 1969 erblicktest, und außerdem ein paar Stunden später als ich. Was uns nicht nur unterschiedliche Aszendenten eingebracht hat (meiner ist ebenfalls Schütze, und deiner?), sondern mir natürlich auf alle Zeiten einen gewissen Vorsprung an Weisheit und Lebenserfahrung sichert. Oder? Es hat auch dazu geführt, dass wir zu bestimmten Zeiten unseres Lebens identische Unisex-Kurzhaarschnitte und Lady-Di-Fönfrisuren trugen, und das ganz ohne Absprache, 700 Kilometer voneinander entfernt. Aber dafür können die Sterne nichts, das waren halt die Siebziger. Und die Achtziger. In Freiburg. Und in Bremen.

Astrologische Schwestern

Lady Di-Verschnitt 1984: Schützen-Style zwischen Freiburg und Bremen (c) Verena Carl

Astro-Anmache: Schützinnen mögen keine Schweißhände

Nun sind die Astrologie und ich, im Gegensatz zu dir und mir, nicht unbedingt enge Freundinnen. Ich werde immer reflexhaft misstrauisch, wenn mir jemand ein allzu einfaches Deutungsmuster für die Welt anbietet. Klar kann man überall Gesetzmäßigkeiten erkennen, wenn man sie sucht. Genau so könnte man natürlich auch behaupten, dass wir völlig unterschiedlich sind – allein schon, weil du nur aus Höflichkeit Kaffee trinkst und ich bekennender Koffeinjunkie bin. Es ist auch nicht so, dass wir uns blind verstehen oder ständig an den gleichen Stellen im Kino heulen. Mir geht es mit der Astrologie ähnlich wie anderen Eso-Techniken, etwa dem Tarotkartenlegen: Sie ist eine Einladung, über sich und andere Menschen nachzudenken, sich zu fragen, warum wir ticken, wie wir ticken, und uns auch mal herzhaft daran abzuarbeiten, wenn etwas so gar nicht stimmt an den Zuschreibungen. Oder wenn unser Jahreshoroskop in der Frauenzeitschrift unseres Vertrauens mal wieder auf übernächstes Jahr vertröstet, in dem alles anders wird. Seltsamerweise passiert das vor allem uns Schützen, das ist dir sicher auch schon aufgefallen. Nur wenn jemand mit heiligem Ernst aus der Minute unserer Welt-Premiere unsere gesamte Persönlichkeit ableiten und unser Schicksal vorhersagen will, dann werde ich skeptisch. Oder auch, wenn ältere Herren mir an einer Strandbar eine schweißige Hand aufs Knie legen und dabei nassforsch behaupten, dass Schützinnen grundsätzlich gerne berührt werden. Wirklich passiert, allerdings gute 20 Jahre her.

Ich bin jedenfalls froh, dass ich dich als Mitschützin an meiner Seite habe – mit einer doppelten Trefferquote kann uns eigentlich nichts passieren. Und sollten wir uns jemals uneins sein über das nächste Ziel, dann liegt es garantiert am Aszendenten. Oder dass uns unser gemeinsames chinesisches Tierkreiszeichen, der Hahn, dazwischengockelt. Für bloggende Schützinnen wird 2016 jedenfalls ein super Jahr, sagen führende internationale Sternenforscher. Habe ich irgendwo gelesen, vermutlich im Internet. Aber, sag mal: Wann zeigst du der Welt, wie ähnlich es in deinem Leben auf deinem Kopf aussah? Und wann gehen wir eigentlich mal gemeinsam zum Friseur?

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