Nervtechnik: viel Lärm um wenig Rauch

Nervtechnik, das ist dieser fiese Kram, der vermutlich nur erfunden wurde, damit Baldriankapseln verkauft werden können. Seit einigen Jahren schon wird mein Alltag  von ein paar kleinen weißen runden Plastikteilchen massiv beeinträchtigt. Sie überwachen meinen Schlaf, wollen reglementieren wie ich mich entspanne und was ich koche. Sie hängen fast überall, und ihr ständiges kurzes orangefarbenes Aufblinken signalisiert: ich bin da. Und wehe, du wagst es, mich zu ignorieren.

Die Nervtechnik muss sein. Aus Sicherheitsgründen

Die Hausverwaltung hat schon vor einigen Jahren Rauchmelder hier im Mietshaus installiert. Das muss so. Wegen des Brandschutzes. Ich bin nicht so ganz sicher, welche Lobbyisten-Truppe sich da durchsetzen konnte. Ob die Dinger wirklich sinnvoll sind, das zweifle ich manchmal an. Vor Feuer warnen sie ja nicht. Wohl aber vor Rauch. Darum muss ich vorsichtig sein, sehr vorsichtig. Einige Dinge darf ich nicht mehr machen: beispielsweise Zucker in einer Pfanne karamellisieren. Oder Wasser kochen.  Nur wenn ich gleichzeitig die Küchentür schließe, das Fenster öffne und die Abzugshaube auf höchster Stufe anschalte, kann ich es vorsichtig wagen, etwas zu erhitzen. Bin ich nicht aufmerksam genug, dann ziehen kecke kleine Rauchwölkchen in Richtung Flur. Sofort fühlt sich die Nervtechnik berufen zu reagieren. Der Rauchmelder meldet den Rauch: mit einem ohrenbetäubenden schrillen Fiepen.

Ni©chts blinkt, nix piept ... auch mal schön © pixabay.com

Nichts blinkt, nix piept … auch mal schön © pixabay.com

Dieses Geräusch ist furchtbar. Es kann wieder deaktiviert werden, in dem ich auf einen Stuhl klettere und einen Knopf drei Sekunden lang drücke. Ganz dicht am Gerät sind diese drei Sekunden unendlich laut und unendlich lang. Es gibt nur noch den Wunsch, dass es endlich aufhören möge. Damit möchte mich der Rauchmelder zu Wohlverhalten erziehen.

Fremdbestimmt: bei Fehlverhalten droht fieser Ohrenschmerz

Bitte nichts kochen, dass anbrennen könnte. Wehe, das Fett wird zu heiß oder das Wasser verdampft zu sehr. Zur Strafe droht das Fiep. Auch gemütliche Leseabende bei Kerzenlicht dürfen nicht mehr sein. Als ich im letzen Jahr die vier Kerzen des Adventskranzes und noch eine weitere Kerze brennen hatte, fühlte ich mich wohlig wohl. Dazu ein gutes Buch, leckeren Tee und entspannen. Doch nicht mit Freund Nervtechnik. Der fühlte sich ignoriert, schätzte ich etwa sein orange leuchtenden Lämpchen nicht genug? Als ich die Kerzen auspustete und noch das Glimmen der Dochte beobachte, ging der Lärm los. Hektisch stamd ich auf, warf die Tasse noch um und klettere auf den Stuhl. Die Kinder könnten aufwachen! Die Nachbarn! Entspannung futsch, Ohrgeräusch dafür mit Nachhall vorhanden.

Schönes Licht statt Nervtechnik

Gemütliches Entspanne bei Kerzenschein könnte schön sein © pixabay.com

Auch im Kinderzimmer und im Schlafzimmer sind Rauchmelder. Das ist gut so. Ich möchte ja, dass die Kinder sicher schlafen und vor Feuer geschützt werden. Essen brutzle ich dort sowieso nicht. Also besteht schon mal keine Rauchgefahr. Kerzen sind im Kinderzimmer ebenfalls tabu. Im Schlafzimmer nicht, aber sie werden auch dort eher nur vereinzelt angezündet. Trotzdem sind die Rauchmelder in diesen beiden Räumen besonders übergriffig. Denn sie kontrollieren meinen Schlaf.

Einerseits sorgen sie für Sicherheit. Andererseits aber leider auch für gruselige Nächte. Denn aus mir unerfindlichen Gründen sind diese beiden Vertreter der Nervtechnik Sensibelchen. Sie gehen einfach mal eben so los. Ganz laut. Ganz Fiiiiiiiiiep. Panisch wache ich auf, suche eine Brandstelle und muss dann feststellen, das es viel Schall um gar keinen Rauch ist. Passiert so etwa ein bis zwei Mal im Jahr. Jedes Mal zuckt der Mitarbeiter des Wartungsdienstes dann die Schultern. Das sei eben so. Die Geräte wären defekt. Die Austauschmelder sind dann strahlend weiß, ganz neu und ganz unschuldig. Bis zum nächsten Alarm.

Natürlich weiß ich die Rauchmelderchen auch zu schätzen, aber ich zweifle eben ein wenig daran, ob sie gut genug schützen. Als sie neu im Haus waren, reagierte ich noch auf jedes Fiepsen aus anderen Wohnungen. Da! Fiiiep! Könnte es sein, dass es bei der älteren Dame nebenan brennt? Ich ging rüber und wollte nach dem Rechten sehen, landete dann aber auf einem Stuhl und stellte das Gerät aus. Die vielen Fehlalarme haben zu einer gewissen Ignoranz bei mir geführt. Das ist reichlich unartig. Hoffentlich lesen meine Rauchmelder diesen Text nicht heimlich und bestrafen mich heute Nacht.

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