Mobiles Arbeiten – für mich ideal

Eben noch lag ich in der Hängematte – Sonne im Gesicht, tausend kreative Ideen im Kopf. Und dann rasch ran an die Tasten. Ich hatte ordentlich was auf dem Zettel, aber dafür durfte ich auch mit der Schreibmaschine im Garten einer Freundin sitzen. In diesem Moment wusste ich: Genauso will ich eines Tages arbeiten. Manchmal im Freien, schreiben, wenn die guten Ideen kommen. Erst ein paar Kurzgeschichten und später ein Buch. So frei können ja nur Autoren arbeiten.

Das war 1991. Ich erinnere mich noch so gut an meine elektrische Schreibmaschine, die immer mitfuhr, wenn wir ein Treffen der Redaktion der Vereinszeitung hatten. Mit gut zehn Leuten füllten wir alle drei Monate ein kleines Blättchen, jeder Bericht wurde getippt, das Layout vor dem Druck mit Stiften, Schere und Klebstoff gemacht. Recherchieren? Dafür mussten wir in die Bibliothek und ans Telefon.

Mobiles Arbeiten - dafür musste die Maschiine mit

Mobiles Arbeiten – dafür musste früher schwer geschleppt werden (c) pixabay.com

Mobiles Arbeiten – die Freiheit der Arbeitswelt 4.0

Und heute? Heute hat sich die Arbeitswelt sehr geändert. Die digitale Transformation ist in vollem Gange. Arbeiten von zu Hause aus? Für mich mittlerweile seit vielen Jahren Alltag. „Ich bin nur einen Maus-Klick entfernt!“ Eine unendliche Freiheit, dank Laptop, Smartphone und Internet kann ich arbeiten, wo ich will. Wann ich will. Zeitliche und räumliche Unabhängigkeit. Genau das ist wunderbar, es interessiert meine Kunden nicht, ob ich in Hamburg, Stockholm oder Würzburg arbeite, am heimischen Schreibtisch, im Café oder bei einer Freundin. Mein mobiles Büro kann ich im Zug einrichten oder tatsächlich draußen auf dem Balkon. Ein wahr gewordener Traum.

Und den dürfen nicht nur Selbstständige träumen. Es gibt immer mehr Firmen, die ihren Mitarbeitern die Freiheit einräumen, zeitlich und örtlich unabhängig zu arbeiten. Die darauf setzen, dass Ergebnisse zählen und daher Vertrauensarbeitszeit und Vertrauensarbeitsort eingeführt haben. Viele Teams arbeiten überhaupt nicht an den gleichen Standorten, Videokonferenzen, schneller Austausch von Dokumenten via Internet sind heute Standard. In ziemlichen vielen Branchen ist die Präsenzkultur vorbei, wer das längste Sitzfleisch hat, ist also nicht mehr Sieger.

Grenzen ziehen – nur dann fühlt sich mobiles Arbeiten gut an

Klar gibt es Schattenseiten – die sind ja in aufgeregten Leitartikeln in den letzten Jahren immer wieder thematisiert worden. Tenor: Wer zeitlich und räumlich nicht gebunden ist, kann immer und überall arbeiten, muss aber auch immer und überall ran. Stichwort „ständige Erreichbarkeit“. Nun ja. Der kann man sich ja auch entziehen. Die Kommunikationstrainerin Susanne Westphal erklärt, dass es gerade beim mobilen Arbeiten wichtig ist, sich abzugrenzen. „Das Handy muss auch mal aus sein. Man muss lernen, sich nicht immer zuständig zu fühlen.“ Klar, es stimmt: Wer flexibel arbeitet, kann nicht wirklich abschalten, checkt in der Freizeit Mails, beantwortet „nur mal schnell“ ein paar Fragen. Aber, ganz ehrlich: Mich hat es früher deutlich mehr gestresst, wenn ich das Haus verlassen musste und auf einen wichtigen Anruf oder eine Mail wartete, die nicht rechtzeitig kam, als es mich heute stresst, mein Büro in der Tasche herumzutragen.

Dank Wifi ist das Arbeiten auch am Strand möglich

Dank Wifi ist das Arbeiten auch am Strand möglich (c) S. Plagge

Dazu kommt noch etwas: Das mobile Arbeiten vernetzt Einzelkämpfer ideal. Als ich mich vor gut 15 Jahren selbstständig machte, fühlte ich manchmal ziemlich einsam, so allein ohne Kollegen. Heute habe ich meine virtuelle Teeküche. Denn so viele tolle Menschen arbeiten ebenfalls online und so „treffen“ wir uns dann mal kurz auf Twitter oder Facebook. Rasch mal austauschen mit Verena oder Esther? Dafür muss ich nicht in die Innenstadt fahren. Wenn mir die Decke zu Hause auf den Kopf fällt, kann ich mir aber auch das Laptop schnappen und bei einer Freundin oder in Working Space wie dem Betahaus arbeiten.

Familienfreundliches Arbeiten dank mobilem Office

Ich kann in der Sonne sitzen, wenn ich mag. Vor allem aber ist das mobile Arbeiten ein Segen für arbeitende Elternteile wie mich. Denn ich kann meine Arbeit an die Bedürfnisse meiner Kinder anpassen, ich bin meist zu Hause, wenn sie von der Schule kommen, kann am Spielplatz kurz Mails beantworten und habe die Freiheit die Schulklasse zum Schwimmen zu begleiten – wichtige Anrufe erreichen mich ja. Für mich selbst überwiegen die Sonnenseiten des mobilen Arbeiten. Ich freue mich, dass mir vertraut wird. Dass ich meine Zeit und meine Arbeit selbst organisieren kann, Klar, nicht einfach. Denn  Harmonie ist nicht immer möglich. Manchmal bin ich sehr eigensinnig und denke an mich. Geht nämlich gar nicht anders, denn ich bin diejenige, die bestimmt, wann ich arbeite. Und wann ich frei habe. Manchmal gönne ich mir auch die Freiheit zu schreiben, für mich. Ohne Auftrag. Auch das ist für mich Glück und Genuss. Aber nicht weiter sagen – die Kinder sehen nur, dass ich am Rechner bin und sagen „Mama arbeitet.“

 

 

 

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