Liebeserklärung: ja, nein oder vielleicht?

Liebeserklärungen können dauern! Frauen warten laut einer Studie sechs Monate darauf, dass der neue Partner endlich (!) „Ich liebe dich“ sagt. Klingt irgendwie anstrengend. Unsere Autorin Martina fragt sich mittlerweile: „Muss das überhaupt sein?“

Früher machte man keinen Unterschied zwischen verliebt sein und der Liebe, schenkte sich nach drei Tagen „Beziehung“ Karten mit „Ich liebe dich“ oder „Love of my life“, wollte die drei magischen Worte ständig hören, forderte die Liebeserklärung ein („Du hast heute noch gar nicht…“) und ließ kein „Ich dich auch!“ gelten, allerhöchstens ein „Ich lieb dich auch“. Allerhöchstens.

Und heute, hinter 40? Mit einer gescheiterten Ehe im Gepäck, zwei Kindern im Herzen, einigen Affären, die auf dem Weg verloren gingen und einem neuen Herzensmenschen an seiner Seite? Tut man sich schon mit dem Gedanken an diese Worte schwer, umgeht herzige Postkarten, gefühlvolle Instagram-Post und Valentinstags-Deko. Nicht, weil man Angst vor der Reaktion des anderen hat. Sondern weil man  mit solchen Lippenbekenntnissen, dem permanenten„stating the obvious“, so seine Probleme hat.

Liebeserklärung: Weg mit der Erwartungshaltung

Hat es etwas geholfen, dass der Ex-Mann beständig über Jahre hinweg seine große Liebe beteuert hat? Eher nicht. Und wie oft war ich anschließend heftigst verliebt und merkte hinterher immer wieder: „Ach, geht auch gut ohne“.

Und jetzt ist da dieser Mann, mit dem man alles haben kann: Freiheit und Verbindlichkeit, Offenheit  und Ehrlichkeit, Freundschaft und Leidenschaft, Ruhe und Ausgelassenheit, Vertrauen und Prickeln. Und es fühlt sich an, als hätte man im Silberhochzeitsjahr einen riesigen Schwarm Schmetterlinge im Bauch. Und hat trotzdem nicht den Drang „Ich liebe dich“ zu sagen – noch besser, erwartet es auch nicht. Sondern genießt einfach das Zusammensein, die Zweisamkeit, das Auf-Gegenseitigkeit-Beruhen und ja, auch den Schwebezustand.

Denn der ist passé, wenn einer zum anderen „Ich liebe dich“ sagt, immer entsteht damit eine Erwartungshaltung. Und Erwartungshaltungen – vor allem die unausgesprochenen – können seher viel kaputt machen. Dass man das irgendwann begreift, ist eine der wirklichen guten Sachen am Älterwerden.

Den richtigen Moment kommen lassen

Natürlich besteht, gerade wenn man älter wird, die Gefahr, sich zu verkopfen.  Aber was ich im Laufe meines Lebens ebenfalls gelernt habe ist, einem Impuls nachzugeben, wenn er kommt. Dann ist auch ohne Nachdenken (und ohne Erwartungshaltung im Hintergrund) der richtige Zeitpunkt da, die drei magischen Worte zu sagen. Weil man in diesem Moment fühlt „Ich liebe dich!“. Und nicht, weil man es selbst hören möchte.

Und bis dieser Impuls kommt, bleibe ich bei „Ich liebe dein Lachen“, „Du tust mir gut!“ und „Jedes Mal, wenn ich dich sehe, denke ich ‚WOW‘!“

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