Wohlfühlfilme fürs Wochenende: Hier kommen wir in Stimmung!

An alle Kölnerinnen, Düsseldorferinnen, Mainzerinnen, Freiburgerinnen unter euch: Ihr dürft jetzt mal weghören. Denn wir wissen, was ihr am kommenden Wochenende vorhabt: Kamellen werfen, auf langen Theken tanzen, Kostüme costumizen und dergleichen mehr. Deshalb ist dieser Post für alle unter euch, die nördlich der Karnevalsgrenze leben. So wie wir drei 40-somethings (davon zwei echte Nordlichter und eine Zugezogene). Denn für uns ist das  ein Wochenende wie jedes andere auch im Februar und März, mit trüben Wetteraussichten und Sofalaune. Und die kann man ja auch richtig zelebrieren, mit Tee, Keksen, Kerzen und Heimkino. Verena hat für euch drei Filme ausgesucht, auf die sie mal wieder Lust hätte: von ganz alt bis ziemlich neu. Bei ihr stehen sie ganz Old School auf DVD im Regal, es gibt sie aber natürlich auch in Internet-Mediatheken, z.B. über Amazon Video. Ach so, ehe wir es vergessen: Die Tipps eignen sich natürlich auch hervorragend für die Sofa-Session mit Aschermittwochskater. Alaaf und Helau in den Süden!

Von Liebe und Selbstverwirklichung: YENTL

Den Film habe ich in den frühen Achtzigern noch in meiner Heimatstadt gesehen, da war ich 14 und hatte eine Menge mit der Heldin gemeinsam. Schließlich war ich genau so ein Bücherwurm, der sich nirgends richtig zugehörig fühlte. Auch wenn ich nicht so schön singen konnte wie Barbra Streisand in der Titelrolle. Die Idee des Films ist schnell erzählt: Junge Jüdin aus Osteuropa will lieber lesen und lernen als kochen und heiraten, gibt sich schließlich als junger Kerl aus, zieht in die nächste Universitätsstadt und darf dort endlich eine Taldmud-Schule besuchen. Die einzige Möglichkeit für eine Frau um die vorletzte Jahrhundertwende, sich in der Welt des Wissens und der Bücher frei  zu bewegen. Ziel erreicht – wäre da nicht der äußerst attraktive Kommilitone Avigdor, in den sie sich heimlich verliebt. Eine Liebe, die immer neue Lügengespinste nach sich zieht, und ein Happy End, das überhaupt nicht so ist, wie man meinen könnte. Das ist manchmal lustig, manchmal ganz schön pathetisch, immer schön gefilmt und verdammt schlau – jedenfalls kann ich mich mit über 40 immer noch gut in der Hauptfigur wiedererkennen. Denn der Konflikt zwischen Zugehörigkeit und Selbstverwirklichung, der hört ja niemals ganz auf.

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Lesen ist Leben – da sind sich Barbra Streisand und Verena einig…(c) pixabay

Von Jungsein und Altfühlen: NACH FÜNF IM URWALD

Hach, die Neunziger. Girlies mit groben Boots und kurzen Kleidchen, Fusselmähne statt Big Hair, Aufbruchstimmung. Dieses Gefühl von heiler Welt, das wir weder in unserer 80er-Jahre-Teeniezeit hatten noch in den letzten zwei Jahrzehnten. Damals lief diese großartige Komödie, die den Durchbruch für Franka Potente brachte. Ich saß mit meiner besten Freundin in irgendeinem Kino in der Münchner Innenstadt und dachte: Also, wenn das so ist, dann brauche ich ja keine Angst vor dem Älterwerden zu haben. Hatte ich damals nämlich, mit 26 (!) – immer das drohende Gefühl, es könnte bald Schluss sein mit lustig. Worum es in dem Film geht? Um zwei Teenager, die merken, dass Jungsein gar nicht so spaßig ist, wie man meinen könnte. Weil die Welt kompliziert ist und Menschen undurchschaubar und hochgesteckte Ziele sich eben doch nicht so leicht erreichen lassen. Und um zwei Elternpaare (um die 40!), die in einer verrückten Sommernacht erst ihre Kinder suchen und dann sich selbst finden. Weil sie merken, dass unter der bürgerlichen Fassade noch ganz andere Sehnsüchte schlummern und ganz viel verschüttete Lebenslust. Heute bin ich altersmäßig näher bei den Eltern als bei den Kindern. Und kann meinem jüngeren Ich liebevoll auf die Schulter klopfen und bestätigen: Genauso isses!

Von Generation Y und Generation Hä: TONI ERDMANN

Ja, ich weiß: An den Filmen der deutschen Regisseurin und Drehbuchautorin Maren Ade scheiden sich die Geister. Wo manche nur zielloses, ungeordnetes Geplänkel sehen, kommen andere tief berührt aus dem Dunkel des Kinos. Ich gebe zu, man muss sich darauf einlassen. Auf den extrem langsamen Erzählrhythmus, die improvisiert wirkenden Dialoge, die leisen Zwischentöne, die Graustufen und Ambivalenzen aller Art. So war es schon vor zehn Jahren in dem Film „Alle anderen“, in dem ich auch schon nicht recht wusste, ob mich die langatmigen Beziehungsdiskussionen des 30-something-Paares eher inspirierten oder eher nervten – und so ist es auch jetzt wieder, in der schrägen Vater-Tochter-Story, die letztes Jahr im Kino lief und mit Preisen überhäuft wurde.

Ich mochte die Hauptfiguren beide, obwohl der schluffige 68er-Daddy vordergründig viel sympathischer wirkt als seine kühle 30plus-Karrieretochter. Vielleicht, weil ich weder der einen noch der anderen Generation so ganz angehöre und von daher sowohl mit den Idealen des Älteren als auch mit der kalkulierten Zielstrebigkeit der Jüngeren etwas anfangen kann. Es geht viel um Verkleidung und Rollen in diesem Film. Und die Idee, dass wir manchmal hinter Masken authentischer sind, hat mir sofort eingeleuchtet – Faschingswochenende hin oder her. Gibt’s ein Happy End? Wie man’s nimmt. Der Schluss ist genau so ambivalent wie die ganze Handlung. Und macht „Toni Erdmann“ deshalb für mich zum perfekten Wohlfühlfilm: warmherzig, aber ohne dabei den Kopf auszuschalten.

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Väter und Töchter – nicht immer ist das Verhältnis so harmonisch (c) pixabay

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