So praktisch ist Carsharing

Martina hat seit April kein eigenes Auto mehr und nutzt neben dem Rad und den öffentlichen Verkehrsmitteln, die Augsburg zu bieten hat auch das Carsharing-Angebot der Stadtwerke. Hier zieht sie eine erste Bilanz.

Finanziell gesehen war mir ein eigenes Auto länger eigentlich zu teuer. Versicherung, horrend teurer Sprit, ebensolche Parkgebühren, immer wieder „kleine“ Reparaturen zwischendurch, der ein oder andere Strafzettel… Dass ich trotzdem viel Zug gefahren bin und ein Abo für den ÖPNV habe, machte die Sache nicht günstiger. Den endgültigen Ausschlag gab irgendwann eine lange Autobahnfahrt, für ich mal wieder fast doppelt so lange brauchte, als das Navi beim Start vorgab. Immer war irgendwo ein Stau, eine Baustelle, eine Baustelle mit Stau, ein Unfall, ein Unfall in der Baustelle… Es war nicht möglich, selbst auf überschaubaren 400 Kilometern nur ungefähr zu sagen, wann ich ankomme. Und in welchem nervlichen Zustand. Da meine Mutter über Kurz oder Lang ein neues Auto brauchen würde, bekam sie meins. Dass ich auch Carsharing nutzen könnte, war damals schon die Idee.

Brauche ich wirklich noch ein Auto?

Die nächstgelegene Carsharing-Station mit zwei Autos ist in knapp fünf Minuten zu Fuß zu erreichen, eine weitere noch einmal fünf Minuten Fußweg entfernt. Dazu gibt es noch zwei weitere Stationen, die schnell mit dem Rad oder per ÖPNV erreichbar sind. Zur nächsten Straßenbahn-Haltestelle brauche ich knapp fünf Minuten zu Fuß, von da aus bin ich in elf Minuten am Hauptbahnhof. München, wo ich sowohl privat als auch beruflich oft bin, erreiche ich mit der Regionalbahn in 40 Minuten, der ICE braucht lediglich 22 Minuten von Bahnhof zu Bahnhof.

Carsharing: Meine ersten Schritte

Eine erste Anmeldung war online möglich. Danach musste ich persönlich zur Kundenzentrale der Stadtwerkeund meinen Perso sowie den Führerschein vorzeigen. Meine Kundenkarte wartete aber bereits auf mich. Gebucht werden die Autos über eine App, die per Karte oder Liste die zur gewünschten Zeit freien Autos in der Nähe anzeigt. Öffnen und verschließen kann ich das Auto mit der Kundenkarten oder per Befehl in der Handy-App. Was praktisch ist, wenn man seine Karte gerne zu Hause liegen lässt. Oder in einem anderen Auto… Ich würde jedem empfehlen, sich wenigstens eine Kurzanleitung durchzulesen. Wenn man weiß, wie das mit dem Tanken geregelt ist, ist das beim Bezahlen hilfreich.

Die Kosten fürs Carsharing

Je nach Tageszeit und zur Verfügung stehendem Model kostet eine Stunde zwischen 50 Cent und 3,20 Euro, pro Kilometer werden dann noch 18 bis 36 Cent berechnet. Sprit sowie alle Nebenkosten sind im Miet- und Kilometerpreis inbegriffen. Eine Aufnahmegebühr sowie eine monatliche Grundgebühr muss ich nicht zahlen, da ich mit dem ÖPNV-Abo bereits Stadtwerke-Kunde war, hier würden einmal 49 Euro und monatlich 7 Euro zu Buche schlagen. Bisher schwanken meine monatlichen Kosten zwischen 30 bis 90 Euro (letzterer Betrag beinhaltete eine Fahrt nach München mit 3-stündigem Aufenthalt), mit eigenem Auto hatte ich meistens rund 100 Euro Spritkosten pro Monat.

So praktisch ist Carsharing – mein Fazit

Ich würde es sofort wieder machen und habe den Umstieg vom eigenem Auto auf Carsharing noch keine Sekunde bereut. Natürlich erfordert es etwas Vorplanung und manchmal ist Weg zum nächsten freien Wagen länger als erhofft. Aber: Sich keine Gedanken über die ständig schwankenden Spritpreise oder unvorhergesehene Reparaturen machen zu müssen, ist wunderbar. Da ich jetzt noch mehr Zug, ÖPNV und Rad fahre, spare ich mir außerdem die nervenaufreibenden Staus im Stadtverkehr oder auf der Autobahn (freie Fahrt für freie Bürger? Ich lache immer noch…)

Meine neues Carsharing-Leben

Und was für mich persönlich interessant war: Ich brauche das Auto nur für „Kinder-Fahrten“, etwa Wege zum Sport, zu weiter entfernten Arzt-Terminen oder Abholen bei Freunden. Auf diesen Fahrten erledige ich dann auch meine größeren Einkäufe. Ach ja: Anfangs dachte ich, dass es sinnvoll sei, dass Auto „one-way“ zu buchen, es also an einer Station abzuholen und an anderer Stelle abzustellen. Das hätte ich in all den Monaten aber höchstens zweimal gebraucht. In der Regel fahre ich, um etwas zu erledigen und komme danach wieder nach Hause. Wenn ich länger wegbleibe, fahre ich Zug.

PS: Esther könnte sich theoretisch auch langsam mal von ihrem alten Auto trennen. Aber die beiden verbindet eine lange Geschichte. Noch ist jedenfalls ist keine Trennung in Sicht…

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