Schuhtick: Warum Schuhe so wichtig sind

Sie sind neu. Sind blau. Und ich finde sie einfach unglaublich toll: meine neuen Lieblinge. Sie sind aus blauschwarzen Leder und haben einen gut sechs Zentimeter hohen Absatz. „Voll die Angeberschuhe“, sagt mein Sohn. „Kannst du darauf laufen?“ fragt meine Tochter. Ja, kann ich. Und sogar sehr gut, denn die Stiefeletten haben ein leichtes Plateau und Blockabsätze. Und ich fühle mich damit richtig gut.

Schuhtick – eigentlich nicht, oder doch?

Eigentlich finde ich, dass ich ein relativ entspanntes Verhältnis zu Schuhen habe. Immerhin habe ich das Glück, dass ich fast immer welche finde, die passen. Ist leider bei Klamotten gar nicht so. Vielleicht kaufe ich deswegen gern etwas für meine Füße: da muss ich jedenfalls nie hören, dass Konfektionsware und ich nicht kompatibel sind.

In Berlin, ein einem Laden, mit dem bezeichnenden Namen „Schuhtick“ hieß, fing meine Liebe an. Anfang der 90er kaufte ich mir dort schwarze knöchelhohe Boots mit einem Reißverschluss und einem kleinen Absatz. Sie kosteten fast 200 Mark. Und waren jeden Pfennig wert. Denn ich fand mich so cool in ihnen! Das waren meine „Leck-mich“ Schuhe. In denen war alles möglich. Ich war größer, lässiger, hatte längere Beine und das gewisse Etwas. Seelenschmeichler für das Ego! Ich trug die kleinen Schwarzen gern am Abend, bei Verabredungen und bei meinen ersten Interviews.

Ein ähnliches Modell habe ich nie wieder gefunden. Eines Tages waren sie einfach nicht mehr zu reparieren. Ich warf sie weg. Und suchte immer wieder nach Ersatz. Es gab halbhohe Ankleboots aus Antikleder, Sandaletten mit Absätzen aus Holz, italienische Pumps und Lederstiefel. Jedes Paar hat seine Funktion. Die Stiefel finde ich im Winter und Herbst toll. Die Sommerschuhe zum Kleid.

Schuhtick - nie zu alt für tolle Schuhe

Praktische Schuhe – passend zur Jeans (c) S. Plagge

Das liest sich jetzt so, als ob ich einen unendlich hohen Schuhschrank habe. Nö. Aktuell habe ich sechs Paar Schuhe und zwei Paar Stiefel. Turnschuhe sind auch dabei – über deren Bedeutung hat Verena schon geschrieben. Komischerweise habe ich selbst nie Chucks getragen. Hat sich irgendwie nie ergeben.

Klar habe ich auch Schuhe ohne Absatz. Turnschuhe, Espadrilles und braune Ballerinas. Spielplatztaugliche Muddischuhe.Gefühlt habe ich etliche Jahre fast nur so etwas getragen. Beim Kauf war entscheidend, ob ich schnell hineinschlüpfen konnte und wie schwer es war, sie zu reinigen. Zu den praktischen Jeans passten die auch immer. Vielleicht wirken solche Schuhe auch ein wenig wie eine Tarnkappe. Sie machen ein wenig unsichtbar. Denn trage ich sie, bin ich nicht nur kleiner, ich fühle mich auch so. Ich suche noch ein paar Sneaker, in denen mir das nicht so geht.

Ein Schuh mit dem gewissen Lebensgefühl

Die Kinder sind größer und ich stehe kaum noch auf Spielplätzen herum. Im letzten Sommer holte ich sie ab und trug High Heels. In türkis mit Holzabsatz. Und musste mir glatt komische Sprüche anhören. Ich gehörte nicht mehr zu der Müttergruppe, die in der Sandkiste hockte.

Und das ist auch gut so. Ich habe nämlich ja nun meine neuen Blauschwarzen und die sind gar nicht spielplatztauglich. Denn sie geben mir nicht nur ein paar Zentimeter mehr, sie sind Schuhe, die mir das Lebensgefühl von damals zurück geben. Sie machen stark.

Schuhtick - meine neuen Schuhe

So hoch sind die Neuen gar nicht (c) S. Plagge

Solche Stiefeletten habe ich dringend wieder gebraucht. Und so ein Paar möchte ich auch immer im Schrank haben. Schuhe, die gut sitzen und mir Zauberkraft verleihen. So eine Art Siebenmeilenstiefel. Damit kann ich zwar nicht wirklich schnell reisen, aber ich kann meine Ziele erreichen. Hineingeschlüpft und schon ist der Kopf höher, die Schulter durchgestreckt. Ich fühle mich sehr sichtbar und wieder voller Zuversicht.

Und falls mich jemand ärgern will, dann summe ich den Hit von Nany Sinatra: „This Boots are made for walking …“

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