Reisen in Dänemark – von Plänen, Walen und Freiheit

Dänemark mal anders. Eine kleine Rundreise mit einem Leihwagen durch das südöstliche Dänemark. Mit einem Hauch von Luxus, denn wir wohnten in Hotels. Das nagelneue Mietauto war zunächst ungewohnt. Der Blick auf das Lenkrad erinnerte mich an ein Cockpit. Um alle Knöpfe und deren Funktionen zu verstehen, hätte ich vermutlich einen Tag lang das Handbuch studieren müssen. Ich entschied mich für intuitives Fahren, also für fröhliches Suchen.

Mit dem Ford ging es zum Fjord © S. Plagge/visitvejle.dk

Mit dem Ford ging es zum Fjord © S. Plagge/visitvejle.dk

Bisher hatte ich dem Reiseantritt Straßenpläne studiert, vielleicht am PC mal nach der schnellsten Route gesucht oder orientierte mich an Wegweisern. In diesem Jahr habe ich darauf verzichtet. „Die Route wird berechnet“, erklärte der eingebaute Navi, und schon waren wir auf dem schnellsten Weg nach Middelfart, einer idyllischen kleinen Stadt auf der Insel Fünen. Die erste Nacht im Hotel war toll. Die Kinder waren begeistert vom Indoor-Pool, ich war begeistert vom schönen Zimmer und davon, dass ich nicht das Gefühl hatte, den Nachwuchs ständig zur Ruhe mahnen zu müssen. Lautes Toben? Kein Problem. Wildes Geplansche im Schwimmbecken? Die anderen Gäste hatten ja selbst Kinder dabei und ein Vater aus Norwegen und ich lachten gemeinsam herzhaft über die Freude der Kinder.

Kinder und Familien als gern gesehene Gäste

Dieses herrliche Gefühl, dass Kinder gern gesehene Gäste sind, hatte ich in allen unseren Hotels.  Und auch im edlen Hotelrestaurant. So richtig mit mehreren Gängen? Ja! In einem vier Sterne Restaurant, bei dem angemeldete Gäste einen stilvoll gedeckten Tisch mit Namensschild vorfanden. Gewagtes Experiment, denn Gourmetküche und Kinder sind ja nicht unbedingt kompatibel. Zu meiner Überraschung waren die Kinder von Lachs und Filet begeistert und fanden das Büffet überhaupt toll. Und die anderen Gäste, oft auch mit Nachwuchs, warnten die Kinder freundlich vor den heißen Platten, halfen und reichten Gewünschtes. Kein genervtes Geseufze oder blöde Kommentare.

Ein Tisch mit Aussicht (c) S. Plagge

Ein Tisch mit Aussicht (c) S. Plagge

Für die nächsten Tage hatten wir viele Pläne. Wir waren an der Marina von Middelfart, machten eine Tour mit einem Schlauchboot mit Motor und sahen historische Segelschiffe. Wir nahmen an einem Malkurs teil, besichtigten einen Rehpark und freuten uns auf das Highlight: Auf einem alten Fischerkutter ging es zum „Whale watching“. Allerdings musste ich die Kinder ein wenig vorwarnen. Sie kannten Bilder von spektakulären Ausblick auf die Riesen der Meere. Doch im Lillebælt zwischen dem Festland und der Insel Fünen sind eher die Zwerge zu sehen: Schweinswale, auch oft als Tümmler bezeichnet.

Blick vom Schiff, da hinten ist ein Schweinswal! © S. Plagge

Blick vom Schiff, der Schweinswal tauchte schnell wieder unter …© S. Plagge

So eine Walsafari ist aber auch im Kleinen aufregend. An Bord der Aventura packten die dänischen Familien Picknick aus und ich merkte, hier geht es auch um die Bootsfahrt. Die Kinder durften ans Steuerrad, mit Horchgeräten den Walen lauschen und sich mit dem Fernrohr auf die Suche nach den ihnen machen. Ich spürte vor allem intensiv die leichte Brise, schnupperte den Duft der Ostsee und freute mich über die Abendsonne.

Schimmernde dunkle Rückenflossen als Jagdtrophäen in Dänemark

Insgesamt 23 Schweinswale sahen wir, laut meiner Tochter. Die charakteristischen dunklen Rückflossen tauchten immer wieder aus dem Wellen auf, schnell versuchten die Passagiere sie zu fotografieren. Mir gelang das nicht. Ich konnte keinen Schnappschuss als Trophäe von der Safari erbeuten. Der einzige Schweinswal der sich mir so richtig zeigte, war das Schweinswalweibchen, dass Kapitän Henrik Traugott-Olsen mitbrachte. Lebensgroß und mit vielen Reißverschlüssen versehen, diente sie als Anschauungsobjekt. Kapitän Traugott-Olsen berichtete auf Dänisch und auf Deutsch wie sensibel Schweinswale auf Schall reagieren, wie sie ihre Babys zur Welt bringen und wie die kleinen Meeressäuger kommunizieren. Aber nicht nur über die Wale selbst, auch über die organisierte Jagd und die Bedrohung der Tiere berichtete er anschaulich.

Walsafari, Lillebelt, Whale watching, Ostsee, Fünen

Henrik Traugott-Olsen mit fast echten Schweinswal (links), kleine Skipper auf Walsafari am Steuer (rechts) © S. Plagge

 

Wir hatten uns viel vorgenommen für ein paar Tage. Wir verließen die Gegend um den Lillebælt und fuhren weiter gen Norden. Es ging noch in den Givskud Safari Zoo und ins Legoland. Aber waren das nicht zu viele Pläne? Wie war das mit dem Fahren ohne Plan? Unsere letzte Station war Vejle, eine Stadt, die einerseits dicht am Fjord liegt und auf der anderen Seite viele grüne Täler und hügelige Steinzeitlandschaften in der unmittelbaren Nachbarschaft hat.

Die Route wird neu berechnet – her mit der Freiheit

Und dann passierte es. Ich weigerte mich. „Bitte wenn möglich wenden,“ erklärte die Frauenstimme des Navis. Ich war einfach im Kreisverkehr abgebogen. Verließ die vorgegebene Strecke. „Die Route wird neu berechnet.“ Na, also, geht doch. Wir fuhren einfach so über klitzekleine Landstraßen. Vorher hatten wir in Jellinge ein ganz neues und sehr beeindruckendes Wikingermuseum besucht. Durch Ferngläser konnten wir sehen, wie die Landschaft sich über die Jahre änderte. Wie eine Zeitreise. Vielleicht waren wir auch deswegen so erstaunt, als wir bei unser ungeplanten Landpartie plötzlich ein echtes Wikingerschiff sahen.

Blick auf den Fårup See © visitvelje.dk

Blick auf den Fårup See © visitvelje.dk

Das Schiff war kein Produkt unserer Fantasie. Es war die „Jelling Orm“, die vor gut 30 Jahren von Freiwilligen gebaut wurde und im Sommer auf dem See zu sehen ist. Wir fuhren vorbei an offenen Weideflächen, alten mit Reet gedeckten Häusern, Wäldern und Wiesen. Und dachten uns Geschichten aus. Wie haben die Menschen hier wohl früher gelebt? Was würden Menschen aus der Zukunft sagen? Verirren konnten wir uns nicht, dafür sorgte freundlicherweise der Bordcomputer des Autos.

Landschaft, die zur gedanklichen Zeitreise einlädt © Visitvejle.dk

Landschaft, die zur gedanklichen Zeitreise einlädt ©Visitvejle.dk

Irgendwie war das ein wenig Freiheit mit Sicherheitsanker. Ich musste nicht lange nach Ortsschildern oder der nächsten großen Straße gucken, wir würden schon ans Ziel kommen. Und dabei war der Weg ja irgendwie auch schon ein Ziel. Und auf dieser Reise ging es eben nicht nur um feste Pläne und viele Aktivitäten, sondern auch um neue Eindrücke und ganz viel Fantasie.

Tipp: Hotel mit wirklich sehr empfehlenswertem Restaurant direkt am Lillebælt: Trinity Hotel, Gl. Færgevej 30, Snoghøj, 7000 Fredericia

Mehr Informationen rund um die Region Middelfart, zu Unterkünften und Aktivitäten wie die Walsafari: VisitMiddelfart, zur Region rund um Vejle, die ebenfalls sehr viel zu bieten hat: VisitVelje

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