Cornelia Funke – die Geheimnisse der Geschichten

„Heute Nacht flog ich auf einem Drachen, ganz lange und ganz weit über dem Meer“ – diesen Satz sagte mein Sohn beim Aufwachen. Das ist die Magie von guten Geschichtenerzählern. Sie verstehen es, Leser in eine andere Welt zu ziehen, Tag und Nacht. Und genau so eine Geschichtenerzählerin ist Cornelia Funke. Eine, die es versteht ganze Welten in ihren Romanen zu entwerfen und es schafft Kinder und  Erwachsene zu fesseln. Schreiben ist für sie wie Schokolade, sie braucht täglich drei bis vier Stunden. Alle Geschichten in ihrem Kopf werde sie wohl nie erzählen können, sagt sie selbst.

Die Geschichtenerzählerin Cornelia Funke verrät Geheimnisse des Geschichtenerzählens

Die vielen Geschichten im Kopf wirklich zu bändigen – eine schwere Aufgabe. Aber die Wahl-Amerikanerin Cornelia Funke verrät sogar, wie sie zu lösen ist. Denn auf Lesungen beantwortet die 57-Jährige gern Fragen der Leser und Leserinnen. Vor allem die von Kindern. Als sie im Hamburger Thalia Theater Mitte November las, trat ein etwa zehnjähriges Mädchen mit runder Brille an das Publikumsmikrofon. „Ich schreibe auch Geschichten. Wenn ich etwas schreibe, habe ich oft eine ganz genau Vorstellung von dem, was passieren soll. Aber ich weiß nicht, wie ich das in Worte fasse,“ sagte sie. Cornelia Funke ging an den Rand der Bühne und verriet: „Die Geschichte will ja gar nicht, dass du das schaffst. Das ist ja eine Sache, die wir Geschichtenerzähler so schlecht begreifen, dass Geschichten sich manchmal verstecken. Die Geschichte will, dass du unendlich viel Zeit und Geduld damit verbringst, ihr ihre Geheimnisse zu entlocken. Lass dich nicht entmutigen. Du hast dir kein leichtes Handwerk ausgesucht.“

Neben mir im Theatersitz freute sich auch meine Tochter über diese Worte. Wie viele Kinder wohl nach dieser Lesung selbst schreiben wollten? Vielleicht werden sie zu Geschichtensuchern, denn manchmal, seien Geschichten wie Labyrinthe. „Schreibblockaden gibt es nicht. Wenn du denkst, du hast hast eine Schreibblockade, bist du in die Hecke gerannt. Das heißt also, du gehst zurück und versuchst herauszufinden, wo die Geschichte dich ausgetrickst hat. Das sind die aufregenden Momente, weil du dem Geheimnis so nah gekommen bist, dass die Geschichte zu einer Notbremse greifen musste.“

Cornelia Funke und die Magie des Geschichten erzählens

Mehr als nur eine Lesung: Cornelia Funke live in Hamburg ©Dressler, Fotos: Jörg Schwalfenberg

Sehr wahrscheinlich hatte auch der Roman „Die Feder des Greifs“ ziemlich viele dieser Geheimnisse. Vor fast zwei Jahrzehnten veröffentliche Cornelia Funke ihren Weltbestseller „Drachenreiter“. Erst jetzt, nach 19 Jahren, hat Cornelia Funke, genau wie Kollegin Joanne K. Rowling, den langersehnten Nachfolger veröffentlicht.

Kinderbuchtrend 2016: Magische Fortsetzung nach 19 Jahren

Der Junge Ben, im „Drachenreiter 2″anders als Harry Potter nur um zwei Jahre gealtert, lebt mittlerweile mit den Wiesengrunds in Norwegen in einer Schutzstation für magische Wesen. Die Familie Wiesengrund hat den Waisenjungen Ben adoptiert und gemeinsam mit einer Organisation haben sie es sich zur Aufgabe gemacht, bedrohte Fabelgestalten zu schützen. Im zweiten Teil ist das Böse nicht nur ein goldender Drache, sondern vor allem eine reale Bedrohung: Was, wenn die Fabelgestalten einfach aussterben? Gemeinsam mit einem Fjordtroll, einer fliegenden Ratte und dem Homunkulus Fliegenbein macht sich Ben auf die Reise, denn nur die Sonnenfeder eines Greifs kann die Fohlen retten.

Eine spannende Geschichte. Nicht nur für Kinder. Die Lesung war eine Mischung aus bezaubernder Musik, Magie und  Mutmachen. Die Autorin und der bekannte Sprecher Rainer Strecker lasen vor und fesselten mit ihren Stimmen. Geräusche, wie etwa Dschungelklänge, sorgten für einen dichten Klangteppich.

Cornelia Funke signiert

Ein echte Signatur in der Originalausgabe … ©Dressler, Fotos: Jörg Schwalfenberg

Das Hören der Drachenreiter- Ausschnitte machte neugierig. Cornelia Funke steckte das Publikum an. Mit ihrer magischen Geschichte voller Phantasiewesen. Und mit ihrem Blitzen in den Augen, ihrer Freude am Lesen und am Erzählen. Ob sich Kinderbuchautoren nicht als Konkurrenten sähen, fragt ein Junge. Cornelia Funke schüttelte die langen Haare, so heftig widersprach sie. „Ich habe unter den Kinderbuchautoren noch keinen getroffen, der mich als Konkurrentin sieht. Das ist so, als ob wir alle in der gleichen Band sind. Die Welt braucht ja nicht nur eine Geschichtenerzählerin.“

Was sie inspiriere? „Die Welt ist so voller Geschichten. Jeder von euch hat eine. Ach, eine? Unendlich viele!“

Cornelia Funke live in Hamburg

Zauberhafte Stimmung ©Dressler, Fotos: Jörg Schwalfenberg

Wer sich die Lesung nach Hause holen möchte: Das Buch „Drachenreiter. Die Feder des Greifs“ ist als Hörbuch erschienen.

Ungekürzte Lesung mit Musik, 555 Min.
Gesprochen von Rainer Strecker und der Autorin
Musik und Produktion: German Wahnsinn.  EUR 24,99
ISBN-13: 978-3-8373-0979-9

Und als E-Book und als gebundene Ausgabe im Dressler Verlag:

Cornelia Funke: Drachenreiter. Die Feder eines Greifs.
ab 10 Jahren, EUR 18,99
ISBN-13: 978-3-7915-0011-9

Offizielle Website der Autorin: Cornelia Funke

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