Außergewöhnliche Unterkünfte im Norden: Schlafen und Staunen!

Wie es sich anfühlt, außergewöhnliche Unterkünfte im Norden zu testen?  Traumhaft – findet Tanja Breukelchen. Hier bei uns erzählt sie von besonderen Orten in Schleswig-Holstein.

Als Kind bekam ich ein Zelt zum Geburtstag. Wir bauten es im Garten auf. Es war unsere Zentrale beim Detektivspiel. Unsere Räuberhöhle. Unser Mittagsschlafnest. Aber richtig auf Campingtour bin ich damit nie gegangen. Als Jugendliche nahm mich mein Vater mit in die Berge. Wir liefen über Klettersteige. Kraxelten über Leitern und an Felsen entlang. Unsere Rast in kleinen Almhütten war herrlich. Aber übernachtet habe ich in diesen Hütten nie.

Mir war gar nicht bewusst, dass ich das wollte. Bis mit Mitte 30 mein kleines Mädchen in mein Leben trat. Und dieses kleine Mädchen heute, im Grundschulalter, die Welt entdecken will. Und auf einmal kommen auch meine längst verbuddelten Kindheitssehnsüchte wieder hoch. Gepaart mit der Erkenntnis, dass man Träume hat, um sie sich zu erfüllen. Seitdem fahren wir los. Mal als Familie. Mal als Mutter-Tochter-Duo. Letztens zum Beispiel durch Schleswig-Holstein.

Außergewöhnliche Unterkünfte im Norden: Wie wär’s mal mit einer Nacht im Tierpark

Eigentlich hätte ich ja gerne mal in einem Buchladen übernachtet. Mit Leselampe, etwas Käse und Rotwein. Aber ein Tierpark, dachte ich, ist auch nicht schlecht. Der Tierpark Arche Warder  bietet nämlich Übernachtungen an. In kleinen, sehr einfachen Holzhütten. Da ist man auf einem 40 Hektar großen Gelände fast alleine mit rund 1000 Tieren. Mehr als 80 zumeist alte, vom Aussterben bedrohte Haustierrassen. Da gibt es „Turopolje-Schwein“ aus Kroatien, die begeistert grunzend ins Wasser tauchen und ausgelassen mit ihren dicken Beinchen paddeln. Plüschige Poitou-Esel. Und freundliche schottische Hochlandrinder.

Gans im Kampfmodus: Kann passieren im Tierpark!

Mit einem Holzkarren ziehen wir unsere Taschen und Schlafsäcke über das Gelände. Dann richten wir unsere Hütte ein und streifen los. Irgendwann verlassen auch die letzten Besucher das Gelände. Und unser Abenteuer beginnt. Picknick in der Abendsonne. Schlafsäcke ausrollen. Nach zum Glück nicht vorhandenen Mauselöchern suchen. Zahnbürste und Waschzeug schnappen. Zum Duschraum gehen. Aber dann steht da eine Gans. Typ Wachhund. „Husch!“ sag ich. Sie faucht. „Tsch!“ rufe ich. Sie plustert sich auf. Wir nehmen allen Mut zusammen, gehen zügig vorbei und laufen zurück einen Umweg.

In der Hütte kuscheln wir uns in die Schlafsäcke. Nur Stille. Nur Dunkelheit. Irgendwann die regelmäßigen Schlaf-Atemgeräusche meiner Tochter. Und meine Gedanken, ganz alleine in der Nacht. Das fühlt sich gut an. Nach Abenteuer. Dabei ist es ja nur eine Hütte in Schleswig-Holstein. Am nächsten Morgen eine taunasse Wiese. Schimmernd in der Morgensonne. Ein bisschen Blöken. Ein bisschen Eselgeschrei. Dann der Aufbruch. Wieder mit dem Holzkarren zurück. Und die Weiterfahrt. Hinauf an die Schlei.

Für magische Nächte: Auszeit im Zirkuswagen

Lieblich ist die Landschaft an diesem riesigen Meeresarm der Ostsee, der sich von Schleswig bis Schleimünde erstreckt. Irgendwann zweifle ich an meinem Navi. Es führt mich scheinbar orientierungslos einen holprigen Weg zwischen den Feldern entlang. Dann ein alter Backsteinhof, davor ein Schild „vie de bohème“ . Ein Garten mit Hagebutten, Rosen und Obstbäumen. Vor einem Zirkuswagen mit weißen Sprossenfenstern und lila Schlagläden steht eine schlanke Frau und winkt.

Außergewoehnliche Uebernachtungen im Norden Zirkuswagen Copyright: Axel Martens (www.axelmartens.de)

Ganz romantisch steht dieser alte Zirkuswagen in einem verwilderten Garten an der Schlei – Copyright: Axel Martens (www.axelmartens.de)

Fast ihr halbes Leben hat Rebekka, heute Anfang 60, mit Mann und Tochter in Südfrankreich gelebt, wo sie Mitte der Neunzigerjahre eine alte Goldmine in den Cevennen zu Ferienwohnungen umbauten. Sie selbst wohnten zuerst in einer Baumhütte, später in einer Jurte. „Es war wildromantisch“, sagt sie und lacht. Rebekka hat vom ersten Moment an so etwas Strahlendes. – Gemeinsam gehen wir über drei Holzstufen in den Wagen. Links ein Kamin, daneben ein Esstisch mit zierlichen Stühlen. In der Ecke ein gemütlicher Oma-Sessel. Geradeaus führt eine Flügeltür in ein Schlafzimmer mit riesigem Bett.

Uebernachten im Zirkuswagen außergewoehnliche Uebernachtungen im Norden

Ein kleiner Küchentisch mit Blick aus Sprossenfenstern gehört auch zum Auszeitwagen ©axelmartens.de

Als Rebekka vor ein paar Jahren an die Schlei zog, suchte sie nicht nur ein Haus, sondern auch einen Platz für den französischen Zirkuswagen. Zwischen den Feldern bei Ulsnis fand sie beides. Heute bietet sie dort Massagen, Körperarbeit und Tanz-und Bewegungstherapie an und vermietet eine Ferienwohnung, zu der auch der Wagen als „Auszeitwagen“ gehört. „Die Gäste haben diese Sehnsucht nach dem ganz Einfachen, Schlichten, Puren und Natürlichen. Sie wollen in diese Einsamkeit.“ – Wir auch. Und wir genießen die Nacht, in der ein warmer Sommerregen aufs Wagendach trommelt. „Kommt bald wieder“ sagt Rebekka als wir am nächsten Morgen losfahren. Weiter nach Osten. Weiter ans Meer.

Info:

Tanja Breukelchen (www.breukelchen.de) ist eigentlich freie Journalistin und befasst sich mit Reportagen und Porträts aus ganz anderen Bereichen als dem Reisen. Da sie aber in ihrer Freizeit gerne mit ihrer Familie unterwegs ist, hat sie aus ihren Touren an ungewöhnliche (Übernachtungs-)Orte einfach den Blog „Schlafen und Staunen“ (www.schlafenundstaunen.de) gemacht. Über ihre Reise an ungewöhnliche Orte in Schleswig-Holstein hat sie das Buch „In Koffern, Katen und Kojen“ geschrieben.

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