Danke – an den wunderbaren Finder meiner Kette

Lieber wunderbarer Finder, liebe wunderbare Finderin,

ich weiß gar nicht, wer du bist. Ein Mitarbeiter von Bäderland Hamburg, eine aufmerksame Besucherin des Schwimmbades? Die freundliche Dame gestern morgen an der Kasse des Parkbades wollte oder durfte mir nichts verraten. Ich war so unendlich glücklich. Und demütig. Denn weißt du was? Ich habe nicht an dich geglaubt.

Die letzten Wochen waren nicht einfach. Falls du zufällig unseren Blog gelesen hast, weißt du vielleicht, dass ich gerade gesprungen bin. In ein neues Leben. Mittlerweile schwimme ich, aber ich brauche noch viel, viel mehr Übung. Und gerade wenn so viele Dinge passieren, die ganz schön an den Kräften zehren, dann kann ein Ereignis einfach genau das eine zu viel sein. Und genau das passierte in dieser Woche.

Eine zu lange To-Do Liste und viel zu viel Unaufmerksamkeit –  ich war so verzweifelt

Ich war mit meinen Kindern und meiner Mutter im Schwimmbad. Kurz vor dem Urlaub war noch viel zu erledigen, darum fuhren wir ziemlich spät los – und ich vergaß meine Kette abzunehmen. Im Bad fiel mir das auf, ich zog sie aus, legte sie vorsichtig in den Geldbeutel und ins Wertschließfach, alles gut. Und dann? Dann war da diese unentspannte Hektik, schnell die Haare föhnen, ein Kind fragte etwas, im Kopf raste die To-Do Liste und … ich wollte die Kette wieder anziehen, aber in der Eile bekam ich den Verschluss nicht zu. Übersprungshandlung, ich habe die Kette in eine Tasche gelegt, oder in den Rucksack, und war in Gedanken ganz woanders.

Der nächste Tag war furchtbar hektisch. Irgendwie ist der letzte Tag vor einer Reise bei mir immer so, egal wie ich plane. Artikel müssen noch fertig geschrieben werden, irgendwelche Termine geregelt und die Klamotten gepackt werden. Die Kinder waren längst im Bett, als ich plötzlich an meine Kette dachte. Ich trug die ja gar nicht. Komisch. Dann fiel mir ein, dass ich sie doch am Vortag im Bad in die Tasche getan hatte, vor dem Schwimmen. Und danach? Ich suchte. Öffnete alle Fächer im Rucksack und in der Handtasche, die ich dabei hatte. Keine Kette. Wieder und wieder schaute ich nach. Leerte alles aus.

Dann kam die Panik. Mir wurde klar: Die Kette konnte nur im Bad sein. Ich fing an zu weinen und zu zittern. Und merkte: Ich kann nicht mehr. Das geht doch nicht? Wie konnte ich nur derart dämlich unachtsam sein? Denn das war nicht irgendeine Kette. Es war ein wunderschönes Silberstück des Labels „Luxusweiberl“, das ich vor einigen Jahren bei einer Verlosung auf Facebook gewann. Einem Fotowettbewerb, bei dem nach Sehnsuchtsorten gesucht wurde. Ein Bild von Wangerooge sorgte für ein bezauberndes Päckchen, genau zu einem Zeitpunkt, als ich sehr traurig war. Für mich steht diese Kette seitdem für Mut und Zuversicht. Und Glück.

Gewinnebild vom Sehnsuchtsort Wangerooge (c) Plagge

Gewinnerbild vom Sehnsuchtsort Wangerooge (c) Plagge

An der Kette war außerdem ein Anhänger, ein Aquamarin in einer Jugendstil-Fassung. Eine Erbstück meiner Großmutter, für mich unersetzlich und mit vielem verbunden. Unersetzbar, weil Erinnerungen damit verknüpft sind und ich den Anhänger auch so schön finde, dass ich ihn gern trage.

Beides war weg. Kette und Anhänger – eine Lektion in Demut

Es wurde zwei Uhr nachts. Ich gab auf. Völlig aufgelöst, verzweifelt. Ich postete mein Unglück auf Facebook und bekam gleich so liebe Worte und gute Wünsche zurück. Immerhin. Denn meine Kette, das war mir klar, war weg. Ich musste wohl lernen, loszulassen. Mir war klar, dass ich diesen Gegenstand, der mir doch so wichtig ist, oft gar nicht so sehr wahrgenommen habe. Eine Lektion in Demut. Irgendwer würde sie nun tragen, aber ich nicht mehr. Die Kette ist schön, der Edelstein bringt sicher ein wenig Geld. Wer auch immer sie findet, wird sie wohl verkaufen oder verschenken. An jemanden, der einfach ehrlich ist und die Kette abgibt, konnte ich nicht glauben.

Geschlafen habe ich kaum. Der Zug gen Süden sollte um kurz nach zehn Uhr los fahren. Letzte Reisevorbereitungen, rasch noch ein Mail und das Gefühl der Bleischwere. Hoffnung hatte ich keine, aber ich rief bei Bäderland an.  „Ja, fahren Sie ins Parkbad. Es ist dort eine Kette, mehr kann ich am Telefon nicht sagen.“ Ich mochte es nicht glauben. Mein Freundin und Nachbarin Ana fuhr mich und die Kinder nach Volksdorf. Ich hatte genau 15 Minuten Zeit bis zur Abreise.

Ach, lieber Finder. Du weißt gar nicht, wie unendlich glücklich du mich gestern früh gemacht hast. Sie war wirklich da! Fundstück Nr. 30, ich unterschrieb und hielt sie ganz fest. Du hast mir nicht nur meine Kette wiedergegeben. Sondern noch viel mehr. Du hast die Kette ehrlich abgeben. Das ist nicht selbstverständlich. Und selbstverständlich ist auch nicht, dass so viele liebe Menschen mit mir gebangt haben und sich mit mir freuen. Danke auch an euch! Es geht weiter. Es wird besser. Und ich bin nicht allein.

Danke!

Danke an den Finder meiner Kette

Glücklich wiedervereint mit der Kette … am liebsten würde ich  dem Finder ein Blümchen schenken (c) Plagge

One thought on “Danke – an den wunderbaren Finder meiner Kette

  1. GG

    Liebe Silke!
    Danke für deine schöne Geschichte! Darum gibt man Fundsachen ab, in der Hoffnung, jemandem eine Freude zu machen. Es ist schön zu hören dass dies so ist!
    Liebe Grüße

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