Coverversionen – Gänsehaut für Oldies

Oh, ein Song von früher! Ich gebe ja zu, dass ich am Morgen ganz gern Radio höre. Ich mag den gängigen Lokalsender, kurz beim Schmieren der Schulbrote Nachrichten und ein wenig Musik. Das Beste aus den 80ern, 90ern und von heute oder so ähnlich. Ein Hintergrundrauschen. Allerdings gibt es immer wieder Lieder, bei denen ich mich alt fühle. Und gleichzeitig wieder jung. Nämlich dann, wenn ich plötzlich Liedzeilen oder ein Songeinstieg höre, die vertraut und doch fremd klingen.

Soundtrack meines Lebens – nun in neuer Coverversion?

Es gibt  Lieder, bei denen prickelt meine Haut. Nicht immer, weil ich diese Songs so schön finde, sondern weil sie mit Erinnerungen verbunden sind. Wenn ich „Deine blauen Augen“ von Ideal höre, bin ich wieder ein hoffnungslos verliebter Teenie, „Nothing else matters“ von Metallica ist eine Hymne an die Liebe in den 90ern und „Crazy“ von Gnales Barkley erinnert mich daran, wie ich mich als schlaflose frischgebackene Mutter im Jahr 2005 fühlte. Ach, da sind so viele Lieder.
Auch einige, die ich eigentlich nicht mag, die aber an ein Lebensgefühl erinnern – Tracy Chapman klingt für mich nach Weltschmerz und Lebenslust. Als ich 18 Jahre alt war, lief ihr Debut-Album bei mir in Endlos-Schleife auf dem Plattenspieler.
„You got a fast car

But is it fast enough so we can fly away?
We gotta make a decision
We leave tonight or live and die this way“

Diese Stimme. Die Trauer und die Hoffnung. Eine Ballade, die ich immer wunderschön fand. Bis Anfang dieses Jahres. Denn fast bis zur Unkenntlichkeit wurde aus diesem Lied eine komische Tanznummer. Musikalisches Botox. Und ich fühlte mich steinalt.

Gänsehaut – weil die neue Version vertraut und doch fremd ist

Aber nicht jedes Remake finde ich gruselig. Es gibt auch wunderschöne Cover. Die ein bekanntes Lied neu interpretieren und ihm eine ganz neue Farbe geben. Etwa die Fassung des Liedes „Mad World“. Die verrückte Welt von „Tears for Fears“ war 1983 zwar eines meiner Lieblingslieder, aber damals verstand ich den Text nicht. Dafür, dass es darum geht, dass es kein Morgen gibt, die besten Träume die sind, in denen der eigene Tod vorkommt, ist die Musik und auch der Gesang des Originals reichlich unbeschwert. Ganz anders als in der Coverversion von 2001, die unendlich traurig klingt. Vertraut das Lied, und in der neuen Fassung geht es mir gerade wegen der alten Vertrautheit in Verbindung mit der neuen Schwermut sehr unter die Haut.

Aktuell läuft auch gerade wieder ein neue Version eines alten Klassikers. „Sound of Silence“ ist für mich Musik aus meiner Kinderzeit, denn „Simon & Garfunkel“ hörte meine Mutter damals sehr gern und sehr oft. Ich mag es ja, wenn raue Stimmen sanfte Balladen singen. Aber die neue Fassung? Nichts für mich. Der Anfang ist noch schön, aber mir wird das leise Lied zu laut. Über Stille zu brüllen, das passt nicht.

Also gehe ich auf Youtube und beruhige meine Ohren mit der Balladenfassung eines Disco-Krachers: „Titanium“, im Original von David Guetta, hier gecovert von Madelyn Bailey. Ein Tipp von Verena, der mir sehr gefällt. Den ursprünglichen Disko-Kracher fand ich damals eher belanglos. Aber das hier, das ist eine Portion Gänsehaut fürs Wochenende …

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