Trennung über 40: auf anderen Wegen

Ich hebe ab … ich bin noch ein paar Mal auf dem Sprungbrett auf- und abgehüpft, und nun bin ich in der Luft. Ich hoffe, ich lande elegant im Wasser und mache weder eine fiese Arschbombe noch einen schmerzhaften Bauchklatscher. Es ist so schwierig, auf einen Sprungturm zu klettern. Oben ist die Aussicht auf das blaue Wasser wunderbar, aber auch ein wenig beängstigend. Da muss schon ein richtiger Anlauf und viel Mut her. Und so fühlt sich so eine Trennung auch an.

Trennung mit 40 - ein Sprung ins Wasser

Wie werde ich landen? Ob das Schwimmen Spaß macht? (c) S. Plagge

Ein langer gemeinsamer Weg trennt sich

Für mich beginnt ein neuer Lebensabschnitt. Eigentlich ist schon lange klar, dass der Sprung nötig war. Nur – wer springt zuerst? Mitte 40 werden viele Karten neu gemischt, Lebensentwürfe und -wünsche durchdacht. Noch mal eine große berufliche Herausforderung? Noch mal etwas Neues wagen? Ich mag vieles an meinem Leben. Aber es gibt etwas. das schon länger nicht mehr passt. Über 19 Jahre war der Vater meiner Kinder mein Partner. Vieles hat uns verbunden. Wir lesen gern, lachen über ähnliche Filme, lieben das Meer.

Aber in den letzten Jahren haben wir uns von einander entfernt. Ich finde Social Media spannend, bin neugierig auf die vielen neuen Dinge die sich daraus entwickeln, habe mich so gefreut, dass ich in diesem Jahr auf der re:publica dabei sein durfte. Damit kann er nichts anfangen. Das ist auch völlig in Ordnung, aber es ist nur eine der vielen Weggabelungen, an denen wir uns nicht mehr einig sind. Und sicher nicht die wichtigste, es gibt aber sehr viele. Klar, es gab in diesen fast zwanzig Jahren immer mal wieder Phasen, in denen wir unterschiedliche Pfade beschritten, doch weil wir es wünschten, oder auch gar nicht anders konnten, führten sie wieder zusammen. Doch mittlerweile waren es einfach zu viele Weggabelungen, wir sind zu weit weg voneinander.

Trennung - wir gehen auf anderen Wegen

Wir gehen auf anderen Wegen … (c) Thinkstock

Nach der Trennung geht es weiter

Es fühlt sich anders an. Endgültig. Es ist eine Trennung, die so lange schon ausgesprochen und nun auch räumlich da ist. Schritt für Schritt. Es war und ist für uns beide nicht einfach. Als ich mich früher von einem Freund getrennt habe, gab ein böses Wort das andere und ich ging nicht ans Telefon. Eine Beziehung endete mit einem Brief. Liebeskummer tat weh. Aber irgendwann war es vorbei. Aus den Augen, aus dem Sinn.

Paare, die sich mit über 40 trennen, machen es sich nicht leicht. Es kriselt bei vielen, einige schmieden Pläne, finden sich wieder neu. Andere merken, dass die Liebe nicht mehr reicht, doch viele gemeinsame Jahre werden selten leichtfertig mit einem „es ist aus“ beendet. Es gibt oft Kinder, gemeinsames Eigentum. Vieles, dass zusammen aufgebaut wurde. Mein Ex-Partner hat mich viele entscheidende Jahre begleitet, war in Krisenzeiten für mich da – und er ist der Vater unserer wunderbaren Kinder. Als Eltern möchten wir auch beide weiter viel für die Kinder da sein. Gemeinsame lange Reisen machen wir schon länger nicht mehr, aber wir können Ausflüge machen, haben als Ziel, auch weiterhin dann zusammen da zu sein, wenn wir beide gebraucht werden. Aus den Augen können wir uns nicht verlieren, dafür sind die Kinder noch zu jung.

Ich muss ehrlich sein – nicht ich hatte den Mut, zuerst zu gehen. Dass mein Partner den hatte, rechne ich ihm sehr, sehr hoch an. Es war an der Zeit nicht mehr an der Weggabelung stehen zu bleiben. Eine Scheidung wird es nicht geben, wir waren ja nie verheiratet, aber nun müssen wir, jeder für sich und doch auch gemeinsam, neue Pfade finden. Gemeinsam für die Kinder. Auch ich bin gesprungen in ein anderes Leben. Etwas Neues liegt vor mir und wird spannend. Ich bin sicher, das es auch schwere Tage und Zeiten geben wird. Hoffentlich finden wir beide jeder für sich einen guten Weg. Ich bin gesprungen und gerade im Wasser angekommen, es fühlt sich so klar und frisch an, wie gehofft. Aber ich muss auch wieder hochkommen und einen Routine im Schwimmen finden. Ich habe nämlich schon Angst davor, dass mir die Puste ausgeht, auch wenn ich eigentlich mit Rettungsringen vorgesorgt habe. Vielleicht kommt ja ein Welle?

Mein Herz schlägt schneller als deins
Sie schlagen nicht mehr wie eins
Wir leuchten heller allein
Vielleicht muss es so sein

(Soundtrack meines Lebens 2016 …. Andreas Bourani hat so passende Worte gefunden)

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